Kontroverse Namen

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

Moin zusammen!

Wenn mir langweilig ist, lese ich manchmal hier die Kommentare unter kontroversen Namen, was meistens ziemlich amüsant ist.

Da reichen Kommentare von
„Denkt an eure kinder und lasst eure vermeintliche kreativität und originalität nicht an ihnen aus! - profilneurosen kann man psychotherapeutisch behandeln lassen!!!“ (Lucifer)
über „Das sehe ich aber anders. Nur eine Geschichte, sicher. Es ist aber völlig egal, ob es sich um eine reale Person handelt oder nicht. Jeder denkt bei diesem Namen an Brudermord, unzumutbar für ein Kind.“ (Kain)
und „Hi, Ich heiße Kain und bin stolz diesen namen zu tragen. Manche leute kann ich nicht verstehen nur weil ein Kain böse war. sind das dann alle? LG Kain“ (auch Kain)
bis hin zu „Ich bin evangelisch und mag den Namen Judas, es hieß ja auch einer der Söhne Jakobs (altes Testament) so. Aber wenn ich mir vorstellen, Judas auf dem Spielplatz zu rufen und dann fragen andere Mütter, warum denn ausgerechnet Judas, dann könnte man sagen: ‚Eigentlich heißt er Judas Thaddäus, wie der katholische Heilige!‘ Besser die Leute halten mich für eine katholische Mami, als für eine dumme Mutter, die sich über den Namen des Kindes keinen Gedanken gemacht hat!“ (Judas-Thaddäus)
und „Es gab einen Heiligen Luzifer, nirgends in der Bibel wird Luzifer mit Satan in Verbindung gebracht. Im Osterlob ist es sogar eine Bezeichnung für Jesus. […] Und alle, die behaupten, Luzifer sei der Teufel, sollten sich intensiver mit ihrer Religion auseinandersetzen oder aufhören zu urteilen.“.

Kurz zusammengefasst also die Reaktionen:
– „Was zum Teufel …?!“
– „Warum eigentlich nicht?“
– „Dann bin ich jetzt trotzig und zeig euch, wie viel klüger ich bin.“

Dann gibt es natürlich noch die Klassikerkommentare wie „zu fromm“, „zu assi“, „zu altbacken“, etc.

Das bringt mich zu meiner eigentlichen Frage:
Angenommen ein solcher Name gefällt euch wirklich gut – ob Klang, Bedeutung oder beides zusammen: Inwiefern würdet ihr auf die Gesellschaft hören und inwiefern würdet ihr (etwas böse ausgedrückt) euren Geschmack und eure Entscheidungsfreiheit „über das Wohl des Kindes stellen“? – Oder auf gut Deutsch: Wann sagt ihr: „Leckt mich am ***, das ist mein Kind und meine Entscheidung.“?
Oder würdet ihr als Kompromiss einen „normalen“ Namen vergeben und den kontroversen als stummen ZN, bzw. den stummen ZN als Ausweichmöglichkeit nehmen?

Vielleicht ein paar Kategorien/Namen zur Verdeutlichung:
1) Namen die sich einer bestimmten, negativen Person zuordnen lassen: Judas, Kain, Lucifer, Adolf
2a) Namen, denen „Kevin-Potential“ nachgesagt wird, insbesondere die Topriege: Justin (Englisch gesprochen), Chantal, Marvin, Mandy
2b) darunter auch Namen, die „zu fremd“ sind: Maliyah, Tialda, Miquéias, Jacinto
3) Namen, die „viel zu fromm“ sind: Theophil, Fürchtegott, Jesaja
Vielleicht fällt jemandem noch eine andere Kategorie ein.

Bitte keine Kommentare wie „die Namen gehören verboten“ (gerade in Bezug auf Adolf, …) und auch nicht, ob die Namensbeispiele gefallen.
Es geht mir wirklich darum: Wenn ihr die Namen superschön findet – was würdet ihr tun?

Ich hoffe auf einen sachlichen Austausch und bin gespannt auf eure Reaktionen:)

P.S.: Ich hoffe, das ist jetzt übersichtlich geworden ...

Ergänzung :
Ergänzung aus den bereits vorhandenen Gesprächen. Diese Fragen betreffen wohl eher die allgemeine Meinung auch auf andere bezogen als das rein Persönliche.

4a) Theophore Namen einer Religion, der man nicht angehört: Daniel für Atheisten, Matthias für einen Hindu (immerhin steckt der spezifisch jüdisch-christliche Gottesname darin), Dennis für einen Christ
4b) Namen, die einer Religion zugeordnet werden, der man nicht angehört, auch wenn "Gott" nicht darin vorkommt: Muhammed für einen Christen/Atheisten, Noah für einen Hindu/Atheisten, Andreas für einen Moslem
5a) Namen von Göttern: Helena, Diana, Pan, Freyja
5b) als Besonderheit: Jesus und Immanuel (laut Verheißung bei Jesaja der Name des Messias‘)

Ergänzung :
Zunächst: für 4b sind Noah und Andreas vielleicht nicht die besten Beispiele. Namen, die deutlicher dem Christentum/Judentum zugeordnet sind, wären Mose oder Paulus.

Erweiterung:

6) Namen, die nach Fantasy klingen: Andarion, Earendil, Numaron
7) Namen, die Spitznamen sind: Mandy, Leni, Ben, Dan

Ergänzung :
Andere Beispiele für Fantasy-Namen: Vaiana, Naliandra, Felinea, Merida, Eldrias

Ergänzung :
Da das Thema auch in Richtung der persönlichen Namensvergabe kam, zwei weitere Fragen:
8a) Nach welchen Kriterien richtet ihr euch bei der Namenssuche? (Bedeutung? Länge? Häufigkeit? Etc.)
8b) Was sind persönliche No-Gos abgesehen vom bereits Genannten? (Bindestrich-Namen, nur ein Vorname, einsilbige Namen, Namen mit mehr als 3 Silben)
9) Gibt es für euch Dinge bei der Namensvergabe, die ihr in jedem Zusammenhang schlimm findet, auch bei anderen? -> aber bitte höflich dabei bleiben, immerhin ist das trotzdem noch eine Geschmackssache

Ergänzung :
10) Namen nach Objekten oder Städten: Klee, Rosalie, Sydney, Paris, Berlina

Antworten

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

Was Namen von Städten und Objekten angeht: Viele gefallen mir einfach so nicht. Ansonsten ist es eine Frage der Etabliertheit. Sydney im englischen Sprachraum ist ziemlich normal. Berlina hier in Deutschland klingt ziemlich abgedreht. Rosa und Olivia sind hier zwar nicht sehr häufig, aber doch als Name bekannt. Klee ist nicht als Name etabliert, von daher denken wohl 99% nur an den Klee auf der Wiese und nicht daran, dass ein Mensch so heißen könnte.
Zumindest bei Städten weiß man ja oft auch nicht, was zuerst da war: Jakob wurde vor Gründung des Staates „Israel“ genannt. „San Tiago“ gab es vor der chilenischen Hauptstadt. Es gibt garantiert einige Städte, die nach Menschennamen genannt sind, andersherum aber auch.
Ich würde Namen von Städten und Objekten wohl eher nach den anderen Kategorien in meiner Namenswahl ausschließen oder nicht. Israel wäre mir zu fromm, Santiago ohne entsprechenden Hintergrund zu fremd, Klee zu abgedreht. Während ich Olivia, Rosalie oder Narvik würde ich vom Klang her beurteilen und ausschließen oder vergeben.

@90thkid:
Was du unter Punkt 9 schreibst: Bezieht sich das für dich nur auf politische Gesinnung, also Adolf wegen Hitler und Arian wegen arisch, oder auch auf religiöse Gesinnungen, wenn ich also durch Namen sie Jesus, Mose, Ehregott etc. jedem zeigen will, wie superfromm ich bin. -> Kannst ruhig ehrlich antworten, ich bin da nicht beleidigt. Würde betreffende Namen weil „zu fromm“ selber auch nicht vergeben.
Und würdest du unauffälligere Namen, z.B. Josef weil Stalin, Karl weil Marx auch darunter schließen?
Und findest du es auch schlimm, wenn man z.B. Adolf oder Arian aus anderen Gründen vergibt – Adolf als stummer ZN, weil es Familientradition ist oder man Kolping toll findet; Arian, weil man das schöner findet als Adrian?

Das mit der Häufigkeit erlebe ich übrigens anders.
Noch in den 60er/70er Jahren hatte der erste Platz in den Charts über 20%, heute hat der erste Platz 3%. Sind also nur noch echt wenig Kinder, die denselben Namen tragen.
Ich habe den Eindruck, dass die „normale“ Mitte – man kennt den Namen und 2-4 Namensträger in verschiedenen Altersklassen – wegfällt und die Menschen entweder sehr seltene Namen wählen – Margo z.B. :), aber auch Tialda oder Miquéias – oder dass man sich auf fünf moderne „Klassiker“ in verschiedenen Varianten beschränkt. Ben, Finn(Fynn, Leon und dann Lea, Lia, Mia, Nia, Pia, die zwar alle unterschiedlich heißen, aber fast gleich klingen.
Ich habe viele werdende Mütter erlebt, die sagen, dass sie wollen, dass ihr Kind unter keinen Umständen einem Namensvetter begegnet, damit es etwas ganz Besonderes bleibt. Mir fehlen in der jetzigen Kleinkind- und Babygeneration so die Arthurs und Rebekkas, falls du verstehst, was ich meine.
Das ist aber vielleicht lokal unterschiedlich.

Und nur um das noch mal klarzustellen: Abgesehen von Punkt 9 geht es immer um die persönliche Einstellung und nicht darum, ob man das prinzipiell „schrecklich“ findet oder nicht.

Wichtig ist bei der Namensvergabe immer, dass nicht man selber, sondern das Kind im Mittelpunkt steht.
Wenn man weiß, dass die Eltern sich Gedanken gemacht haben, wirkt auch ein Name, bei dem man sich vorher – aus welchen Gründen auch immer – seinen Teil gedacht hat, plötzlich ganz anders, auch, wenn man den Namen dann immer noch nicht mag.
Wichtig ist nur, dass man immer ehrlich und respektvoll bleibt.

Konrad_Jirpeel hat den Eingangstext dieser Plauderecke ergänzt. Zum Text

Mitglied Zauberstern ist offline - zuletzt online am 06.09.20 um 22:13 Uhr
Zauberstern

Ich schreibe einmal meine Meinung zur Kategorie "Dinge und Städte".

Hier würde ich zwischen EN und ZN differenzieren. Beim ZN finde ich derartige Namen schön, wenn man dem Kind damit etwas mitgeben möchte (z.B. den Wunsch nach Glück durch den Namen "Klee" oder nach Freiheit durch den Namen "Wolke" oder aber eine Verbindung, die man als Eltern zu einem bestimmten Ort hat).

Beim EN würde ich davon absehen, weil diese Wörter für mich erstens zu "unnamig" klingen und zweitens in diesem Fall evtl. an Mobbing gedacht werden könnte. Dabei kommt es dann sicherlich darauf an, wo das Kind aufwächst und wie bekannt der Name schon ist. Melody (oder Melodie) z.B. dürfte heutzutage schon öfter vergeben werden. Klee etwa wäre mir als EN zu wenig nach Name klingend, weil die typischen Endungen fehlen. Da würde ich dann fast darüber nachdenken, ob ich daraus einen hübschen Namen kreieren kann, der "namiger" klingt - im Bewusstsein, dass Eigenkreationen bei manchen ganz katastrophal ankommen ;-) - ich finde sie kreativ und besonders. Zum Beispiel Kleeja, Kleecia, Kleevia oder Kleeandra ... Da hätte man dann beides: den Begriff und einen Namen! :-) Irgendwann wurde jeder Name einmal ausgedacht und was heute noch neu und ungewohnt klingt, könnte in ein paar Jahren bekannter sein!

Mitglied 90thKid ist offline - zuletzt online am 23.06.18 um 03:40 Uhr
90thKid

@Kimster

Du hast es schon ein bisschen auf mich abgesehen oder? Brauchst du irgendwen zum haten? Wollen wir hier gleich weiter machen? Vielleicht noch in allen anderen Posts der Plauderecke. Wenn dich meine Meinung so stört, dann ignorier mich doch einfach.

Es geht nicht darum, dass persönliche Erfahrungen der Meinungsgeber zum Weltbild des Fragenden werden soll. Es geht um Erläuterung. Mir gefällt der Name nicht, weil ich den da und da mit verbinde. Mir gefällt der Name gut, weil ich mir dabei eine Person vorstelle, die so und so sein könnte.
Bei dir ist es allerdings mehr so: „Der Name ist scheiße und du musst echt ein dummer Mensch sein um ihn tatsächlich in Betracht zu ziehen!“

Ich finde wir sollten jetzt auch langsam damit aufhören uns gegenseitig anzusprechen. Das hat keinen Sinn und ist für die anderen bestimmt auch nicht sonderlich angenehm.

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

90thKid:

Jetzt mal im Ernst...99% der Threads hier sind dafür da Namen zu bewerten...was bringt es dem Threadsteller, wenn du so einen Kommentar abgibst:

"Ich kann sagen Julia, da denk ich an diese hinterhältige und verlogene Frau, die mir meinen Ex ausgespannt hat obwohl wir Freundinnen waren. Das ist persönlich, das ist assoziativ, das ist nicht beleidigend."

Was genau bringt das für den Themensteller, wenn du hier einen Einzelfall aus deiner persönlichen Erfahrung zum Besten gibst? Wie soll sowas dem Threadsteller bei der Namenswahl helfen?! Soll er dann denken: Oh ok, ein Unbekannter kannte mal eine Frau, die jemanden den Ex ausgespannt hat...also da bin ich lieber vorsichtig mit dem Namen!

???? Echt, ich frag mich da wirklich, wie genau du denkst, dass das eine sinnvolle Bewertung ist und sowas besser ist als z.B. bei Gektor klipp und klar zu sagen, dass der Name in Deutschland echt nicht so toll ankommen wird. Oder dass der Name Jamie in Deutschland sehr oft mit Hartz-IV und Kevinismus verbunden wird. Das sind doch viel fundiertere Meinungen und Infos, mit dem der Fragensteller auch wirklich was anfangen kann!

Und zu deiner Frage, wieso Rosalie ok, aber Klee nicht...Klee ist 1:1 ein Gewächs, das so heißt und das jeder unter diesem Namen kennt. Rosalie dagegen enthält nur indirekt die "Rose", es ist eine Abwandlung des Namens. Ich seh da nicht direkt die Rose drin...ich meine, das ist doch eigentlich offensichtlich.

Mitglied 90thKid ist offline - zuletzt online am 23.06.18 um 03:40 Uhr
90thKid

Ich find viele Kommentare oft ziemlich würdelos. Wenn eine Person ihr Kind nicht gerade Doppeldecker oder Schraubenzieher nennen will, würde ich da auch nie von Zumutung sprechen, geschweige denn den Geistes Zustand der Person in Frage stellen. Ich steh total auf Punk und Grunge. Wenn ich mich mit jemanden unterhalte, der die Meinung vertritt Helene Fischer sei das non plus ultra, muss ich dennoch nicht ausfallend werden und kann meinem Gegenüber dennoch mit Respekt entgegen treten. Das haben manche hier in diesem Forum nicht so raus. Irgendwo war hier ein Post über eine Frau die ihr Kind Grektor nennen möchte. Wäre auch nicht mein Fall, assoziiere ich mit alten Menschen. Kann man so auch sagen. Aber sich dann die Mühe zu machen ellen lange Texte darüber zu schreiben, wie „scheiße“ man als Mutter denn sein muss um Grektor in Frage zu ziehen ist... naja, vollkommen daneben und lässt auch nicht darauf schließen, dass die kommentierende Person über eine tatsächlich aussagekräftige geistige Reife verfügt. Und da man sich generell nicht von der Meinung wenig begabter Menschen tangieren lassen sollte, wäre es mir prinzipiell egal...

Ich finde Assoziationen immer ganz interessant. Assoziationen sind sehr persönlich. Ich kann sagen Julia, da denk ich an diese hinterhältige und verlogene Frau, die mir meinen Ex ausgespannt hat obwohl wir Freundinnen waren. Das ist persönlich, das ist assoziativ, das ist nicht beleidigend. Ich sollte nicht sagen, Julia ist der schlimmste Name der Welt. Wie kann man einem Kind sowas nur antun!?!? Das ist doch so ein typischer Name für Schlampen.
Geht gar nicht, wird so oder so ähnlich, hier aber leider oft gemacht.

Ebenfalls berücksichtigen viele auch keine kulturellen Unterschiede. Was in Friesland normal ist, klingt in München nach Fantasyname.

Ich lege da eher wert auf die Meinung intelligenter Menschen, die vernünftig diskutieren und erläutern können. Oder eben auf Assoziationen.

1) Luzifer find ich tatsächlich schön. Der Lichtbringer. Eine tolle Bedeutung. Allerdings kenne ich zwei Katzen die so heißen, das macht das ganze schwierig.

2) Jamie. Für jungen, wie für Mädchen. Ein toller Name. Viele Kinder mit angeblich assozialen Namen habe ich nächstes Jahr im Abiturjahrgang. Eine Charity zum Beispiel. Klingt voll daneben für ein deutsches Mädchen? Charity seh ich aufgrund ihrer schulischen Leistung irgendwann mal ganz weit oben.

3) Joshua. Jeshua. Schön. Total schön. Selbst für mich als Atheist. Bei Jehova würd ich vielleicht ein bisschen skeptisch gucken, aber einfach schweigen.

4a/4b)
Ist mir persönlich egal. Wenn ein Moslem sein Kind Adam nennen will, bitte. Klingt nach Integration. :))

5a/5b)
Als Norddeutsche bin ich absolut dafür. Jedenfalls für nordische Götter.
Thor, Hela, Freya etc. Toll. Mein Mann hat tatsächlich mal einen Odin unterrichtet. So süß. So unglaublich süß.

6) Fantasynamen sind ja oft gar keine Fantasynamen, sondern gab es früher tatsächlich oder sind zumindest angelehnt an tatsächlich existierenden Namen. Ich würde mich nicht über einen kleinen Eragon oder Frodo beschweren.

7) Ich bin dafür. Wieso nennt man sein Kind Christian oder Christoph? Er wird doch eh immer ein Chris für alle sein. Mein richtiger Name ist Annalena. Ich bin Lena. Immer gewesen. Ich wusste bis zu meiner eigenen Einschulung nicht einmal, dass ich gar nicht Lena heiße, weil mich einfach nie jemand, nicht einmal meine Eltern, so genannt hat.

Ich hab noch ne andere Kategorie für dich. Namen nach Objekten oder Städten.

Z.b. bin ich auf den eingetragenen Vornamen Klee gestoßen. Ich verbinde damit Glück und Natur und Freude. Wieso ist Rosalie ok, aber Klee nicht?

Sydney, Paris, Berlina, alles schöne Namen. Solange man sich nicht von Castrop Rauxel oder Gelsenkirchen inspirieren lässt ist doch alles ok.

8a) Häufigkeit. Aktuell suchen mein Mann und ich ja nach einem seltenen Namen für unseren Nachwuchs. Eben weil wir beide Lehrer sind und nicht wollen, dass jedes zweite Kind genau so heißt wie unser eigenes.

8b) Namen von Verwandten. Aber das gilt nur für mich. Wenn andere ihr Kind nach der Oma benennen wollen ok.

9) Ich plaudere mal aus dem Nähkästchen. Ich hatte in der Hausaufgabenhilfe mal einen Jungen namens Arian. Sein Papa war ein sehr überzeugter Nationalsozialist.
Da war doch schon recht klar, warum der Junge Arian heißt. Das stößt auf. Jedenfalls bei mir. Also Namen, die von Eltern gewählt wurden, um ihre extremistisches Gesinnung über ihre Kinder zum Ausdruck zu bringen.

Im Allgemeinen finde ich, dass sich seit der Einführung des Begriffs „Kevinismus“ viel zu viele werdende Eltern vom Mainstream leiten lassen. Die Kinder heißen heute gefühlt alle gleich. Klar, es gab schon immer Trends. Emma ist heute das, was früher Sabine war. Aber es nimmt aktuell schon echt komische Ausmaße an. Ich finde das traurig, dass plötzlich alle Angst davor haben mehr als nur Mittelmaß zu sein. Kein Mensch ist gleich, wieso müssen dann alle den selben Namen tragen?

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

Hier mal meine Antworten:
8a) Nach welchen Kriterien richtet ihr euch bei der Namenssuche?
- Bedeutung beachte ich nie -> nur Klang
- Erstname soll nicht zu lang sein (max. 3 Silben)
- Name soll jedem bekannt sein aber nicht zu häufig
- einfache Schreibweise
- Internationalität! (kein Ausländischer Name, aber sowohl im Deutschen als auch im Englischen geläufig/ähnlich ausgesprochen!)

8b) Was sind persönliche No-Gos?
- Zu religiös
- Zu komplizierte Schreibweise (zwanghaft y/j statt i, ah statt a)
- Zu selten (Eigenkreationen, Fantasy-Namen)
- Zu lang
- Die allermeisten Bindstrichnamen
- Einsilbige Namen (ist kein Name für mich...)

9) Gibt es für euch Dinge bei der Namensvergabe, die ihr in jedem Zusammenhang schlimm findet, auch bei anderen?
Eigentlich alles unter Punkt 8b! Außerdem, was mich tierisch nervt sind Eltern, die ihren Kindern Vornamen nach einem bestimmten "System" vergeben...also so Vorgaben wie: Geschwisternamen mit gleichen Anfangsbuchstaben, gleicher Silbenzahl, gleichen Endungen, oder generell die Aussage: Der Name muss zu den Geschwistern passen! Das find ich wirklich immer daneben, wenn ich sowas lese könnte ich an die Decke gehen. Generell sind die Namen von Geschwistern eh immer aus der gleichen Stilrichtung...kaum einer wird sein erstes Kind Elisabeth und das zweite dann Chantal-Destiny oder so nennen.

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

@Rin:
Ich gehe davon aus, dass betreffende Eltern klug argumentiert haben:
- „Lucifer“ ist in der Offenbarung zunächst mit Jesus gleichgesetzt. In der lateinischen Bibel steht „lucifer“, in der deutschen Bibel die schlichte Übersetzung „Morgenstern“. Die Gleichsetzung von Lucifer und dem Satan kommt aus dem Mittelalter.
- Judas ist nicht nur der Name von Judas Iskariot, der Jesus verraten hat. Es gibt auch einen zweiten Jünger, der traditionell Judas Thaddäus genannt wird (Mt und Mk schreiben vom Jünger Thaddäus, Lk von einem zweiten Jünger Judas). Der wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Außerdem ist Judas die gräzisierte Form von Juda, was einer der Söhne Jakobs ist.
Es gab aber auch Kämpfe, diese Namen durchzusetzen.
Ob man einen positiven Kain findet, wage ich zu bezweifeln.


8a)
Prinzipiell möchte ich zwei Namen vergeben. Zum einen, weil das individueller ist, zum anderen, weil Zweitnamen tatsächlich seriöser wirken. Bei amtlicher Post oder wichtigen Mails schreibe ich immer (um bei meinem Decknamen zu bleiben) Konrad J. XY. Ich bezweifle allerdings, dass ein Kind, das nicht ernsthaft wegen seines Namens gemobbt wird, selber auf den ZN umsteigt. Mir gefällt auch mein ZN besser, würde mich aber nicht so nennen, ich identifiziere mich halt über meinen EN.
Da ich christlich bin, möchte ich das auch in der Namenswahl meiner Kinder weitergeben. Ich würde allerdings sehr darauf achten, dass die Namen nicht zu fromm werden. Simeon und Nathanael könnte ich mir prinzipiell vorstellen, Josua oder Hosea nicht. Ich würde schon darauf achte, dass jedes Kind einen christlichen Namen hat – eine meiner Schwestern hat sich bei uns immer beschwert, dass sie die Einzige bei uns ohne biblischen Namen ist. Sie hat eine Variante von Maria, also eher „undercover-christlich“.
Die Bedeutung ist mir wichtig, die impliziert für mich aber auch eine besondere Person (z.B. Maria Magdalena …). Das gilt zumindest für einen Namen. Der andere Name, ob EN oder ZN könnte auch Franziska, ohne Bezug auf eine Person und ohne umhauende Bedeutung sein.
Tendenziell eher länger, nicht zu häufig, aber bekannt genug um ohne ständige Erklärungen durchs Leben zu kommen.
Geschwisternamen sollten zusammenpassen. Franziska und Rebekka passen in der Schiene „klassisch-zeitlos“ zusammen, auch wenn einer Latein, der andere Hebräisch ist. Keine Spielchen. Das einzige Spielchen, das ich mir vorstellen könnte (vielleicht) ist, dass jedes Kind einen theophoren Namen bekommt.

8b)
Ich mag keine zu kurzen Namen, vor allem Einsilbig (wo auch Ina und Co. drunterfallen – eine Silbe muss mindestens 2 Buchstaben haben). Ich finde Eli toll, wäre mir aber zu kurz.
Kein Bindestrichname.
Nicht überhäufig vergeben – würde mich da aber eher nach meinem Umfeld als nach Statistiken richten.
Und ich mag es nicht, wenn EN und ZN, bzw. die Geschwisternamen nicht harmonieren. Spielchen wie denselben Anfangsbuchstaben, denselben ZN, gleiche Buchstaben- oder Silbenzahl, gleiche Bedeutung oder Bedeutungsfeld (Blumen, Tiernamen) finde ich albern. Wenn’s der Zufall will, okay, aber ich würde es nicht darauf anlegen. Spielchen bei Zwillingsnamen finde ich noch ätzender – ich würde Zwillingen so Namen geben, wie ich es auch für normale Geschwister tun würde.
Außerdem mag ich es nicht so, wenn Namen aus der Familie weitergegeben werden. Wenn es jetzt in der Familie meines Partners eine lange Tradition geben würde, würde ich mich nicht prinzipiell dagegen sträuben, aber von alleine käme ich nicht auf die Idee. Wenn mir zufällig ein Name gefällt – meine Cousine heißt Viktoria, was zufällig der Name einer ihrer (und meiner) Urgroßmütter ist, aber keine Absicht war –, würde ich den Name vergeben, auch wenn er in meiner Familie schon vorkommt.
Zu ähnliche Namen zur nahen Verwandtschaft würde ich auch nicht vergeben. Hanna, wenn es eine Johanna gibt, würde ich wohl nicht machen, Magdalena und Alena ginge schon eher. Jonathan und Nathanael vielleicht. Es kommt dann ein bisschen darauf an, wie viel Kontakt man hat. Ist es nur meine Cousine oder die Cousine des Kindes, oder der Bruder oder der Opa.

9)
Es gibt eigentlich nur zwei Punkte in der Namensvergabe, die ich absolut schrecklich finde:
1) Ausländische Namen, die falsch ausgesprochen werden:
Kommentare unter dem männlichen Namen Jules (ʒyl – „Schül“) zeigen, dass es tatsächlich Eltern gibt, die ihren Sohn „Dschuls“ nennen – das ist ein weiblicher Vorname. Ähnliches gilt für Julie („Dschülie“ existiert nicht), Joana (weder wie geschrieben, noch „Dschoana“ ist korrekt), Henri und Louis (sind beide Französisch), Julien (Französisch! Englisch wird es Julian geschrieben). Natürlich kriegt man manche Dinge in der Aussprache als Ausländer nicht korrekt hin. Wer (Beispiel Julien) das –en nicht nasalieren kann, gehört nicht gelyncht, aber ein „Schüljeh“ zeigt, dass er sich Mühe gibt.
Dazu zählt für mich auch, wenn Leute die männliche Form für ihre Tochter verwenden. Noé, Francis, Noël, etc. sind männlich. Weiblich heißt es Noée, Frances, Noëlle, etc. In der Liste hier auf der Seite mit den neu hinzugefügten Vornamen sind drei männliche Namen, die als weiblich einsortiert wurden. Wenn man den Kommentaren darunter glaubt, wurden sie als männlich vorgeschlagen. Ich hab spaßeshalber mal eine Googlesuche gemacht: „NN name“. Zur hier angegebenen Schreibweise kamen ausschließlich Vorschläge, die es als männliche Namen definieren. Nur bei Netanja gab es „Netanya“ als Mädchenname, wobei trotzdem noch auf der ersten Seite ein Vorschlag zu einem Buch über das AT kommt, wo es (in richtiger Schreibweise) ein männlicher Name ist. Da alle drei Namen hier als biblisch angegeben sind, finde ich es schon peinlich, sie hier dem falschen Geschlecht zuzuordnen, wenn eine einfache Stichwortsuche in einer Onlinebibel Klarheit schaffen würde.
Schlimm finde ich es auch, wenn Akzente gesetzt werden, als hätten sie keine phonetische Bedeutung. Wenn jemand in Deutschland der Einfachheit halber Noel oder Rene schreibt, ist das noch okay, aber wenn man einen Akzent setzt, dann bitte richtig – mein Favorit an negativem Beispiel ist „Reneè“ …

2) Namenskombinationen, die absolut nicht zusammenpassen:
Ich meine nicht ein binationales Kind, dass von seiner Mutter einen deutschen und vom Vater einen italienischen Namen auf den Weg bekommt – wobei man auch da darauf achten sollte, dass sie irgendwie zusammenpassen. Ich beziehe mich da eher auf Johan Riley Fyodor Taiwe Samuel oder Tyler Alejandro oder Delaja Renate-Lilia oder Olliver-Etienne Ivan Matteo. Auch Kombinationen aus verschiedenen Sprachen sollten irgendwie zusammenpassen. Für ein Amerikanisch-deutsches Kind passt Jasper (deutsch gesprochen) Owen zusammen, für ein brasilianisch-deutsches Kind Hanna Laíz. Hauke Tylor oder Edelina („Edschilina“) Vanessa klingt schlicht scheiße.

Und dann natürlich alles, was das Kind der Lächerlichkeit preisgibt. Die Kriterien übrigens, damit ein Name vom Standesamt verboten wird, sind dass er anstößig ist, das Kind der Lächerlichkeit preisgibt oder einfach unpassend ist.

Gast

Die sind erlaubt worden? Ich finde die Namen sehr schön, auch vom Klang her.
Namen find ich auch sehr wichtig, fals dieses in meiner vorherigen Nachrricht nicht richtig herüber gekommen ist.
Nur der Kevinismus stört mich, wenn einem der Name Kevin gefällt, warum muss man damit rechnen, das man in die unterste Stuffe gestellt wird?
Ich finde es nur schde das es das gibt und leider auch eine Rolle bei der Arbeitssuche und in der Schule spielt.



8a) Nach welchen Kriterien richtet ihr euch bei der Namenssuche?

-Familie/Freunde
Ich find es gut wenn Erinnerungen von jemanden weitergegeben mit seinem Namen, oder die Familie mit einbeziehen.

-Bedeutung die bedeutung ist für mich sehr wichtig, und achte auch darauf.

-Klang passt der Name zum Nachnamen ( evtl. zu den Geschwistern passend)

(-Häufigkeit) in Klammern da man die namen umschreiben kann. Z.b Hannah Hanae gleiche Bedeutung nur leichte andere Aussprache und Schreibweise.

8b) Was sind persönliche No-Gos abgesehen vom bereits Genannten?

No Gos gibt es wenige, Namen die Kinder lächerlich machen. Tyran, Teufel, Bängel,


-evtl zu allte Namen Hildeberga...
-oder Problene bei der Aussprache..

9) Gibt es für euch Dinge bei der Namensvergabe, die ihr in jedem Zusammenhang schlimm findet, auch bei anderen?

-Vorname passt nicht zum Nachnamen
-Zu verückte Namen Elo- Kitty Aloa-Lilo

Mitglied Zauberstern ist offline - zuletzt online am 06.09.20 um 22:13 Uhr
Zauberstern

8a) Nach welchen Kriterien richtet ihr euch bei der Namenssuche?

- Klang:

Ich mag Namen mit weichen Lauten wie l, n und m, die aber auch einen etwas härteren Laut wie stimmhafte Frikative - s, r, v - oder stimmhafte Plosive - b, d, g - haben. Für Mädchennamen gefallen mir die härteren Laute weniger, insbesondere im Auslaut überhaupt nicht (wie etwa bei Gertrud), wenn aber weichere Laute folgen, empfinde ich es als hübschen Kontrast (z.B. bei Kalea). Bei Jungennamen würde ich rein weiche Namen eher nicht vergeben (z.B. Lionel). Bei Mädchennamen gefallen mir Namen mit der Endung a am besten.

- Bedeutung:

Ich würde sowohl bei Mädchen- als auch Jungennamen nach Bedeutungen aus den Bereichen Charakter oder Natur suchen. Religiöse oder kriegerische Bedeutungen kämen nicht infrage, auch Herkunftsnamen nicht, das fände ich einfach nicht sinnvoll (z.B. Magdalena).

- Länge:

Bei Mädchennamen mag ich 3- oder 4-silbige Namen, bei Jungen 2- oder 3-silbige. Ganz kurze Namen würde ich nicht wählen; kurz können immer noch die Spitznamen werden.

- Häufigkeit:

Ich würde als Erstnamen einen seltenen Namen vergeben und einen bekannteren Zweitnamen hinzufügen.

8b) Was sind persönliche No-Gos abgesehen vom bereits Genannten? 

- Bindestrichnamen, insbesondere mit 2 Bindestrichen oder bei 2 längeren Namen oder Namen, die gar nicht harmonieren

- die meisten altmodischen Namen (gefallen mir meistens einfach nicht und haben für mich einfach ein altes Image (z.B. Hedwig). Ausnahmen wären Namen, die modern klingen (z.B. Ella oder Hilla) oder die zeitlos sind (z.B. Marie).

- Namen mit negativer Bedeutung (z.B. Cäcilia = "die Blinde")

- Namen, die einen Begriff bilden (z.B. "Mädchen" oder "Wolke") So etwas finde ich höchstens in einer anderen Sprache als Zweitname akzeptabel (z.B. "Melody") oder in seltenen Fällen auch bei deutschen Begriffen als Zweitname (z.B. "Fee").

- Namen, die nicht zum Nachnamen passen (z.B. englische Vornamen zu deutschen Nachnamen wie Müller)

- Namen, die mit dem Nachnamen zusammen lächerlich wirken (z.B. Rosa Blume oder Reime wie Minna Kinner)

- Namen, die sich zu ähnlich sind, als Kombination (Z.B. Ella Elea)

- gleicher Anfangsbuchstabe oder reimende Namen bei Geschwistern (gerade auch bei Zwillingen - so etwas wie Gina und Tina finde ich furchtbar)

Ich habe bestimmt noch etwas vergessen. ;-)

9) Gibt es für euch Dinge bei der Namensvergabe, die ihr in jedem Zusammenhang schlimm findet, auch bei anderen?

Da würde ich auch alles aufzählen, was die Kinder lächerlich macht.

Mitglied thea ist offline - zuletzt online am 10.09.20 um 23:25 Uhr
thea

8a) Nach welchen Kriterien richtet ihr euch bei der Namenssuche?
Die Bedeutung ist mir wichtig, natürlich auch der Klang.

8b) Was sind persönliche No-Gos abgesehen vom bereits Genannten?
Bindestrichnamen, weitestgehend Fantasynamen, Namen, die wirken, als seien sie gerade neu erfunden worden.

9) Gibt es für euch Dinge bei der Namensvergabe, die ihr in jedem Zusammenhang schlimm findet, auch bei anderen?
Es gibt tatsächlich Eltern, die den Versuch unternehmen, ihre Kinder als Störenfried oder Satansbraten eintragen zu lassen. Diese Verächtlichmachung der eigenen Kinder finde ich sehr schlimm. Aber da ist der deutsche Staat vor, der so etwas (noch) nicht zulässt, deshalb muss die korrekte Antwort lauten: nein.

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

@Rin:
Soweit ich weiß sind Lucifer und Judas mittlerweile erlaubt – wobei man bei Judas zu einem ZN rät, vorzugsweise Thaddäus, nach dem Jünger Judas Thaddäus.
Kain heißt übrigens eher „Schmied“ oder „Handwerker“ (das ist nicht ganz geklärt) und die Bedeutung von Judas ist nicht geklärt, man geht davon aus, dass es sich um eine Landschaftsbezeichnung handelt, die sich später zu einem Namen entwickelt hat. Das andere sind sogenannte „Volksetymologien“, also Legenden zur Namensbedeutung, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Bei Judas hat man ja immer noch die Alternative „Juda“ – Judas ist davon die gräzisierte Form, bei Kain gibt es das gleichbedeutende „Kenan“ nur zu Lucifer weiß ich keine wörtliche Entsprechung, nur ähnliche wie Lucian.

Ich denke, dass die Namenswahl für ein Kind extrem wichtig ist und man sich das sorgfältig überlegen muss. Manchmal frage ich mich aber auch, ob die Leute sich nicht zu viel ins Hemd machen, auf der Suche nach dem perfekten Namen. Manche wollen einen eher seltenen Namen und erwischen genau den Anfang einer Welle – kenne welche, denen es Anfang der 90er mit Franziska so ging. Die von uns Geschwistern (wir sind 5), die laut Vornamensstatistik der 90er den seltensten Name hat, hatte schon in der Grundschule eine Gleichnamige in der Klasse – wir anderen ab der 5; 10 (Stufe) oder gar nicht. Ausgerechnet die, mit dem häufigsten Namen, hatte keine in der Stufe, die so hieß wie sie. Sie hat tatsächlich auf ihrer Löffelliste stehen, dass sie eine Person mit der gleichen Kombination aus EN und ZN treffen möchte. Ich kenne tatsächlich fast nur Leute, die sich freuen, wenn sie eine gleichnamige Person treffen.
Generell muss man einfach gucken, was für das Kind am besten ist und da orientiert man sich oft an den positiven/negativen Erfahrungen, die man gemacht hat. Ich habe einen bekannten aber seltenen Namen, würde so einen auch vergeben. Die Mutter einer Freundin hat einen damaligen Top-Name (Claudia) und hat ihren Kindern seltene Namen gegeben – weder ihnen noch mir ist jemand bekannt, der auch so heißt. Namensvetter können auch was Schönes sein. Besagte Freundin hatte in der 5. Klasse eine Freundin, die einen ähnlich klingenden (und auch seltenen) Namen hatte – eben aus dem Grund. Sie ist trotz Buchstabiererei und Nachfragen – die ich nicht verstehe, weil der Name so gesprochen wird wie geschrieben – zufrieden mit ihrem Namen.

Da das Ganze sich ja mittlerweile auch mehr auf den persönlichen Geschmack ausgeweitet hat, habe ich oben noch Fragen zur persönlichen Namensvergabe hinzugefügt.

Konrad_Jirpeel hat den Eingangstext dieser Plauderecke ergänzt. Zum Text

Gast

Bei uns standen die Namen erst nach der Geburt fest. Außnahme war Sasuke.
Zwar hatte ich im nachhinein leichte zweifel, das ich richtig entschieden habe, da die Namen hier kaum verbreitet sind und nur mit Charakteren aus Animes in verbindung bebracht werden, aber im nachhinein waren es die besten Entscheidungen.
Ich denke es kommt sowohl auf die Eltern an und darauf, wie man eingestellt ist. Namen nur aus Finnland, Schweden, Portugal... und wie wir beinflusst werden. Religös, Stars, TV, Schule, Arbeit..


Namen sind individuel und gehören zu jemanden, es zeichnet ihn aus. Und da darf man vieles, nur muss mann sich im klaren sein, was es für eine auswirkung auf anderen.



Soviel ich weiß dürfen Kinder nicht Kain, Lucifer und Judas, wegen der Bibel. Was ich schade find da die drei Namen sehr schöne bedeutungen Haben.

Lucifer ist der Lichtträger
Kain ist erweben/ erschaffen
Und Judas ist preisen
Gegen Chrisstliche namen wie Jesaia habe ich nichts und würde sie vergeben, wenn sie nicht zu ausgefallen sind.
Adolf kommt wieder mehr in Mode.

Leider muss man an Kevinnismus denken, da es Studien zu sollchen Namen gibt, das sie schwärere Bedingungen haben auf den Arbeitsmarkt, da man sie alle in eine Schublade stecken.
So auch bei ganz ausgefallenen Namen.

Elo-Kitty
Liliy-Fee
Lehaneah (ja genau so sollte sie geschriben werden, wurde dann ein Leonardo)
Lele-Lili
Lola-Nana

Aber in großem und ganzen sollte man den Namen wählen, den man möchte, da jeder unterschiedlich ist selbst wenn zwei Freundinen Chantal heißen.

Mitglied Zauberstern ist offline - zuletzt online am 06.09.20 um 22:13 Uhr
Zauberstern

@Konrad:

Daran sieht man zum Einen meine mangelnde Versiertheit in punkto Religion und zum Anderen die fließenden Übergange zwischen den einzelnen Kategorien ... ;-)

@Kimster:

Man muss meinen Beitrag relativierend lesen - natürlich ist der Name NICHT das Wichtigste, um einem Kind Selbstbewusstsein mitzugeben! Es ist ein Baustein von vielen. Was daran Schubladendenken ist, verstehe ich nicht ganz. Und selbstverständlich sind Charaktereigenschaften wichtiger als ein Name! Und ja, die Eltern einer Mia etwa können sich auch viele Gedanken über die Namensvergabe machen - dennoch, wenn ich eine Mia wäre (oder eine Julia in meiner Generation), würde ich mich doch fragen: "Hätten meine Eltern nicht länger nach einem selteneren Namen suchen können??!" Aber das liegt wohl daran, dass mir Individualität und Namen schon sehr wichtig sind.

Spannend, dass die Leute in den USA lockerer sind, finde ich gut! Und das mit den Zweitnamen wüsste ich auch nicht.

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

@Zauberstern:
Um mal direkt auf deine Fantasy-Beispiele anzuspringen:
Nathanael ist für mich schlicht ein christlich-biblischer Vorname. Tatsächlich einer, bei dem ich Sorge hätte, dass er vom Umfeld schon als "zu fromm" eingestuft werden könnte.
Wenn man selber christlich aufgewachsen ist, ist es schon interessant, mal zu sehen, wie andere Leute auf für einen selber so "offensichtlich christliche" Namen reagieren.
Merida könnte ich mir schon vorstellen, die anderen wirken auf mich eher, als würde man halbwegs normale Namen aufpimpen wollen und das weckt bei mir immer Assoziationen von "Möchtegern-Besonders". Vaiana: Va-Jana; Naliandra: Na-Leandra; Felinea: Fe-Linnea oder Felina mit einem E dazwischen; Eldrias: Elias mit ein paar Buchstaben dazwischen. Sie klingen schon nach Name und ich würde sie auch als vergebbar einstufen, aber mir persönlich wären sie zu aufgesetzt.

Konrad_Jirpeel hat den Eingangstext dieser Plauderecke ergänzt. Zum Text

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

@Zauberstern: Nur weil man einen ungewöhnlichen Namen vergibt, heißt es ja nicht, dass man sich mehr Mühe macht. Und meinem Kind Selbstbewusstsein durch seinen Namen zu verleihen wäre irgendwie nichts, was ich als gut empfinden würde. Wenn man so denkt, wäre es dann im Umkehrschluss richtig zu sagen, dass sich alle Kevins, Chantals usw. ganz klein fühlen müssen...genauso wie alle Annas, Sophias usw. Für mich passt das einfach nicht zusammen. Auf der einen Seite bist du gegen Kevinismus und Vorurteile, dann aber hättest du nichts dagegen, wenn dein Kind wegen eines seltenen Namens selbstbewusster ist als andere. Genau ist es ja...Klassendenken, denken dass man was Besseres wäre, wegen einem Namen. Das kann auch sehr leicht dazu führen, dass das Kind etwas überheblich wird

Ich halt es dann doch lieber so, dass ein Name einfach ein Name bleibt und mein Kind lieber durch andere "Eigenschaften" positiv auffällt und Selbstbewusstsein schöpft. Aber auch da ist Vorsicht angebracht, hab da schon viele Artikel drüber gelesen, und zu viel Lob, auch wenn das Kind etwas gut macht, ist meistens gar nicht förderlich.

Da find ich ehrlich gesagt deine Meinung schon etwas überheblich.

Um nochmal auf Kevin zurückzukommen: Eigentlich ist es ja egal, ob es durch den Film oder durch Kevin Costner kam, auf jeden Fall kam es aus dem TV. Und wenns Kevin Costner war ist es eigentlich auch genau das Schema, das heute noch gilt, auch bei außergewöhnlichen Namen. Das haben nämlich v.a. die Stars und Sternchen so angefangen...da gibts ja sehr wenige, die normale Namen vergeben. Deswegen bezeichne ich solche exotischen Namen auch sehr oft als "abgehoben" und "möchtegern". Klar, manche Namen kann man mit einem passenden Nachnamen eher vergeben, aber das ändern bei mir nur bedingt etwas. Ozeana find ich egal mit welchem Nachnamen unvergebbar. Bei englischen Namen ändert ein englischer Nachname natürlich alles! Aber Fantasyname bleibt trotzdem Fantasyname...


Ich war vor einem Jahr mal längere Zeit über in den USA und hab da auch gearbeitet. Die gehen da wirklich viel entspannter mit der Thematik um. Das mit den Abkürzungen hab ich bei mir auf der Arbeit nur bedingt so mitbekommen. Klar, alle reden sich eh sofort mit dem Vornamen an, aber bei den meisten schon mit vollem Vornamen. Da gehört es übrigens auch absolut zum guten Ton, dass man einen Zweitnamen hat...also Middlename. Zum Glück hab ich einen, weil man wird überall danach gefragt und ich hab so gut wie Niemanden ohne gesehen. Ich hab mich da auch länger mit einigen Leuten über die Wirkung von Vornamen unterhalten und die waren total erstaunt, dass es in Deutschland Namen gibt, die ein schlechtes Image haben, oder z.B. auch Namen die als "schwul" durchgehen. Da gibts ja doch ein paar Beispiele. Bei denen gibts halt nur Namen, die v.a. Dunkelhäutige, Mexikaner oder Asiaten wählen. Als ich das mit Kevin dann erzählt habe, haben sie gelacht und gemeint, das haben sie noch nie gehört, aber irgendwie stimmt es schon auch bei ihnen! :)

Mitglied Zauberstern ist offline - zuletzt online am 06.09.20 um 22:13 Uhr
Zauberstern

Ich würde für Mädchen Namen wie Vaiana, Naliandra oder Felinea, vielleicht auch die genannte Merida als Fantasynamen vorschlagen, für Jungen vielleicht Nathanael oder Eldrias. Sind jetzt meines Wissens - außer Vaiana und Merida - keine echten Charaktere, aber Namen, denen, teilweise auch hier, das Image zugewiesen wird.

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

@Zauberstern: Hast du bessere Vorschläge für Fantasy-Namen?

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

@Kimster:
Oskar bezieht sich ursprünglich auch auf germanische Götter, nicht auf den christlichen. Das ist auch alles eher sehr weit gedacht – ich würde einem Atheist auch nicht von den Namen abraten.

Zu Kategorie 4a:
Ich persönlich finde es seltsam einen theophoren Namen zu verwenden, wenn man ungläubig ist, bzw. sich das theophore Element auf einen Gott bezieht, an den man nicht glaubt. Es gibt natürlich auch Leute, denen die Namensbedeutung völlig egal ist – das ist halt so.

Zu Kategorie 4b:
Eindeutig zugeordnete Namen fände ich seltsam zu vergeben. Noah und Andreas sind wahrscheinlich keine guten Beispiele. Mose, Paulus oder Petrus würden es wohl eher treffen. Wenn ein Atheist oder sonst wer sein Kind Paul, Peter oder Jonas nennen möchte, ist mir das herzlich egal - Petrus oder Paulus fände ich schon ziemlich seltsam. Ich könnte mir auch vorstellen, als Christ einen arabischen Namen wie Samira zu vergeben – wenn er mir denn gefallen würde. Oder eben Oskar, der sich ursprünglich auf germanische Gottheiten bezieht – es wird immerhin nur die allgemeine Bezeichnung „Gott“ verwendet.

Zu Kategorie 5a:
Auf diese Kategorie bin ich nur gekommen, weil ich mal mitbekommen habe, dass Leute ihre Tochter Freyja nannten. Fand ich ziemlich seltsam. Bei Diana und Helena war es mir nie so präsent, da ich mir aber im Zusammenhang mit Freyja meinen Teil gedacht habe, dachte ich, ich bin konsequent. Ich würde nicht den Name einer Gottheit vergeben, das empfinde ich als respektlos. Ich könnte zwar als Christ sagen, dass das alles eh nur Götzen sind, die nicht existieren, aber irgendwie finde ich es unpassend.

Zu Kategorie 5b:
Jesus fällt für mich allerdings in die Kategorie „zu fromm“. Prinzipiell finde ich es nicht schlimm, den Namen zu vergeben. Zwar sehe ich Jesus Christus als Teil des dreieinigen Gottes – er ist also Gott für mich – aber Jesus ist nur der weltliche Name. Ein damals sehr häufiger Name, der in der Bibel mehrfach für andere Personen verwendet wird: Josua (in der griechischen Übersetzung des AT heißt er Iesous) und diverse Jeschua. Ob Immanuel als Name existiert hat, weiß ich nicht, da es allerdings von Prinzip her ein theophorer Satzname ist, wie er häufig verwendet wurde, sehe ich kein Problem mit der Vergabe. Ich weiß allerdings auch, dass einige Christen das anders sehen.

Zu Kategorie 6:
Mit Fantasy-Namen kenne ich mich nicht aus, weil ich mich nie für Fantasy interessiert habe – die Beispiele oben stammen aus einer Plauderecken suche. Ähnlich wie bei der Kategorie „zu fremd“ käme es mir hier darauf an, ob es nach einem Namen klingt oder nicht. Hat der Name eine gewisse Melodie und ist leicht zu lesen und merken, könnte ich es mir durchaus vorstellen – wenn er zum Nachnamen passt. Hat man keine Idee, wie der Name zu lesen, bzw. schreiben ist, klingt er ausgedacht und ist er – obwohl schön – einfach zu kompliziert, um ihn sich zu merken, würde ich davon Abstand nehmen. In die Kategorie „zu fremd“ würde für manche Leute beispielsweise auch Laíz zählen, den halte ich aber trotzdem auch als Rufname für gut vergebbar, weil man ihn einfach lesen kann. Schwierigkeiten wären halt der Akzent und das Z, das wie ß gesprochen wird. Jacinto – was man ʒaˈsı̃j.tu („Schaßijtu“) spricht, wäre mir einfach zu kompliziert. – Wie gesagt, mit Fantasy-Namen kenne ich mich nicht aus, aber da wird es sich wohl ähnlich verhalten.

Zu Kategorie 7:
Generell bin ich ein Fan von eher längeren Namen (3-4 Silben), die kann man zur Not immer noch abkürzen. Wobei ich das nicht einmal notwendig finde. Ich habe einen Namen ähnlich wie Franziska, der zu einer Standardabkürzung wie Franzi einlädt – ich habe ich immer dagegen gewehrt und ich werde auch immer mit meinem vollen Namen angeredet. So würde ich auch meinen Sohn zunächst konsequent Benjamin nennen – wenn er sich dann irgendwann selber so entscheidet und mich darum bittet, würde ich auch auf Ben umsteigen.
Generell sind Namen, die auf I enden – auch wenn es keine Spitznamen sind – oft sehr niedlich. Da ist immer die Frage, ob das nur für ein kleines Mädchen passt. Ich bin mit einer Leni (die eigentlich Franziska hieß) zur Schule gegangen. Die war gerade als Teenagerin alles andere als süß, gehörte eher zu den coolsten der Stufe. Trotzdem würde ich solche Namen umgehen. In einer anderen PE hier kam mal der Name Noemi auf. Das ist ein voller Name, trotzdem bevorzuge ich die Variante Naemi, weil sie etwas härter und damit weniger niedlich klingt. Man muss darauf achten, dass der Name irgendwie noch vollständig klingt. Ben wäre mir als Name schlicht zu kurz, klingt aber mehr nach einem Namen als Anni – habe tatsächlich kürzlich ein Mädchen kennengelernt, das so heißt.
Ich habe mal gelesen, dass (in den USA und England) Männer im Vorstand sich oft mit der (einsilbigen) Kurzform ihres Namens nennen, um freundlicher, offener und näher an den Angestellten zu wirken: Stan, Ben, Chris, Steve. Hätte ich so auch nicht gedacht.
Ich denke allerdings auch, dass gerade wenn Frauennamen verniedlicht werden, die Seriosität sehr darunter leidet. Lotte und Lotta gehen wohl noch, Namen wie Franzi, Leni, Jojo, etc. wirken dann allerdings eher kindlich.

Ich stimme dir, Zauberstern, zu, dass der „Kevinismus“ in Foren wie diesen extrem weitgefasst ist – generell die schubladenhafte Einordnung von Namen. Auf das Thema der PE kam ich auch, weil ich einige Male den Eindruck hatte, dass es hier nur die Kategorien „zu Kevin“, „zu fromm“, „zu alt“, „zu häufig“ und den Namen Linnea gibt. Ich merke an mir selber – auch wenn ich es nicht toll finde –, dass ich bei manchen Namen auch „ach du Scheiße“ denke, auch, wenn ich der Person damit kein niedriges Bildungsniveau unterstelle. Es ist halt ein brisantes Thema.
Was diese SmartGenius-Statistik angeht: Ich fand es ziemlich interessant, als ich darauf gestoßen bin. Der Name Simeon ist dort extrem schlecht einsortiert, was mein Gefühl mir nicht sagen würde, andere Namen, bei denen ich mir denke: „Wer zum Teufel gibt seinem Kind so einen Namen?“ überdurchschnittlich gut (Yoice und Yoffi bei 134). Ich würde das alles nicht als feste Wahrheit ansehen, aber ich finde es spannend anzugucken.
Ich könnte mir aber tatsächlich vorstellen, dass die Generation Lehrer, die gerade im Studium ist, die letzte ist, die „Dschastins“ als Problemfälle einstuft. Das ist ja ungefähr meine Generation und wir sind sozusagen mit dem Kevinismus aufgewachsen – Stichwort Alpha-Kevin. Es wurde uns ja praktisch eingetrichtert. Da aber immer ausgefallenere Namen vergeben werden könnte die nächste Generation „Dschastin“ schon als völlig normal ansehen. Bis allerdings die gerade heranwachsende Lehrergeneration in Rente geht, dauert es noch eine Weile.
Im echten Leben hingegen kommt es mir so vor, als ob diese „Kevin-Namen“ mittlerweile von den Akademikern angenommen werden – mir sind im letzten Jahr zwei Ehepaare aus akademischem Hintergrund begegnet, alle vier Eltern und fast alle Großeltern studiert – die ihren Kindern Namen aus dieser Schwarte gegeben haben. Von den drei Namen habe ich mich mittlerweile an zwei gewöhnt, nur Lennox mag ich einfach nicht – ist aber eher der Name als die Schublade.
Außerdem habe ich das Gefühl, dass die „normal bekannt aber seltenen“ Namen kaum noch vergeben werden (Rebekka, Tabea, Justus), dafür entweder die Top 20 ausgereizt werden oder extrem seltene, außergewöhnliche, oftmals zu buchstabierende Namen vergeben werden, damit das Kind bloß keinem Namensvetter begegnet. Und in diesem Forum scheint es beliebt zu sein, normale Namen außergewöhnlich zu schreiben, am liebsten mit Y: Kylian, Emilya, Yonas, … Wobei man zu den Top Namen noch anmerken muss, dass Platz 1 in der Regel bei 3% liegt, sprich: In einer Jahrgangsstufe von 100 Leuten finden sich 3 Kinder, die beispielsweise Mia heißen. Vor 20/30 Jahren waren das noch über 20%, dementsprechend sind auch die Top Namen gar nicht mehr so häufig wie früher einmal.

Was ich interessant fand, ist, das von Jan Weiler bezeichnete Phänomen des „Emilismus“. Also als Protest gegen den Kevinismus traditionelle Namen wie Ludwig oder Elfriede zu vergeben. Interessant finde ich eine Studie von Psychologiestudenten der Uni Heidelberg, die herausgefunden haben, dass die soziale Unterschicht und die Akademiker Namen nach denselben Kriterien auswählen, die Mittelschicht nach etwas anderen. Dabei haben sie auch festgestellt, dass für Jungen häufiger bekannte Namen mit einfacher Schreibweise vergeben werden (Stabilität, Bodenständigkeit), Mädchen eher ausgefallene Schreibvarianten (melodisch, attraktiv).

Was übrigens den Seltenheitswert eines Namens angeht: Mein Rufname ist relativ normal. Ich hatte bislang mit 3 Namensvettern engeren Kontakt (eine in der Schule, zwei im Studium) – hat mich nie gestört. Ich fand’s eher gut. Mit meinem ZN habe ich bislang nur 2 andere „kennengelernt“, ohne, dass ich wirklichen Kontakt mit ihnen hätte. Ich weiß eher, dass sie existieren. In der Kombination habe ich noch nie jemanden getroffen und das macht meinen Namen einzigartig genug. Natürlich ist es Geschmackssache, aber für mich ist die Individualität eines Namens etwas, das man durch die Kombination aus EN und ZN erreicht (deshalb mag ich Jan Philipp und Hannah Marie nicht). Außerdem finde ich es sehr viel wichtiger, dass der Charakter das Kind einzigartig macht, nicht der Name. Bei manchen Kommentaren unter so extrem abgefahrenen Vornamen (oder abstrusen Schreibweisen) hat man das Gefühl, dass die Eltern nur den Namen als Alleinstellungsmerkmal nehmen und darüber glatt den Charakter des Kindes vergessen – ich meine das jetzt nicht als Verallgemeinerung.

Generell finde ich es wichtig, bei der Namenswahl das Kind im Auge zu behalten und nicht sich selbst zu verwirklichen. Jemand, der unter seinem viel zu seltenen Vornamen gelitten hat, sollte sein Kind nicht zu Mia Nummer X machen, jemand, der unter seinem Platz-1-in-den-Charts-Name gelitten hat, muss sein Kind nicht mit „Taiwe“ zu ständigen Erklärungen und Buchstabiermarathons verdammen. Von manchen – nicht allen – Leuten hört man viel „Ich will, ich will, ich will“ und kein „Damit muss mein Kind den Rest seines Lebens leben“.
Zudem finde ich etwas Anonymität im Internetzeitalter durchaus wertvoll. Ich studiere mit einem jungen Mann, der einen friesischen Namen trägt. Man hat ihn zwar noch nie gehört, aber er klingt nach etwas und wirkt nicht seltsam. Eine gemeinsame Freundin wollte wissen, woher der Name kommt und hat ihn gegooglet – nur den Vorname. Direkt der erste Vorschlag war ein Zeitungsartikel über eben jenen Kommilitone. – Ich persönlich bin froh, dass man mich nicht so schnell findet …

Gast

Hallo an alle, die da fleißig diskutieren:

Ich finde, dass sich das Namen-Thema die letzten Jahre echt total gewandelt hat und Namen viel mehr als Namen sind sondern schon nahezu Statements oder Aussagen über Familie, Wohlstand und Bildung.

Namen, die dem sogenannten Kevinismus angehören, waren ja schon in meiner Kindheit verpönt. Ich bin 1885 geboren, meine Nachbarinnen waren Jennifer und Silvana und die Familie galt damals als "assi". Heute ist das auch noch so, die Namen sind oftmals schon so vorbelastet, dass wenn man den Namen wo liest, man sofort ein gewisses Bild vor Augen hat.
Eigentlich finde ich das arg und traurig, da diese Kinder dann schulisch oder auch beruflich gesehen schon weniger Chancen haben. Sicherlich kommt es besser an, wenn sich eine Marie-Luise oder ein Alexander für eine Stelle bewerben als wenn es ein Dylan oder eine Chayenne tut.

Wenn Eltern extrem ausgefallene Namen oder gar zu verspielte Namen (Elodie, Cinderella, Aurora) vergeben dann finde ich das auch nicht besonders toll. Gerade bei schwierigen Namen müssen sich Kinder oft erklären und werden gefragt, wie es zu dem Namen gekommen ist oder was er bedeutet.

Ich bin selbst Zweifach-Mama, mein Sohn geht in den Kindergarten, meine Tochter ist noch bei mir zuhause. Da ist man ja schon auch mit dem einen oder anderen Namen konfroniert - im Kindergarten meines Sohnes gibt's beispielsweise einen Donald (finde ich persönlich grauenhaft) und eine Lulú (finde ich gerade im Kindesalter schwierig, da viele Eltern in Österreich das Wort "Lulu" statt "Pipi" sagen). Ansonsten gibt's auch die Klassiker wie Lena, Laura, Sophie, Sofie, Julia, Lisa und Anna. Bei den Jungs dann Moritz, Max, Jan, Jannik, Lukas und Alexander sowie Philipp.

Bei den "Spitznamen als Namen" tu ich mir auch ein wenig schwer. Manche Namen finde ich für Kids total niedlich (Lilly, Leni, Emmi) aber für Erwachsene einfach bescheuert. Mein Sohn heißt übrigens Ben, was für mich aber irgendwie kein Spitzname sondern ein eigenständiger Name ist, der auch für einen Erwachsenen sehr akzeptabel ist.


Liebe Grüße,
Benita & Gergely mit Ben (5) und Luisa (13 Monate)

Mitglied thea ist offline - zuletzt online am 10.09.20 um 23:25 Uhr
thea

4a) Theophore Namen einer Religion, der man nicht angehört: Wenn die Namen unserem Kulturraum entsprechen, so wie Dennis: dann ja. Theophore Namen aus dem muslimischen, hinduistischen oder buddhistischem Kontext: nein.

4b) Namen, die einer Religion zugeordnet werden, der man nicht angehört, auch wenn "Gott" nicht darin vorkommt:
Wahrscheinlich eher nicht. Nein.

5a) Namen von Göttern: Helena, Diana, Pan, Freyja
Ja, die würde ich vergeben. Diese Namen werden nicht mit Gottheiten verbunden, bzw. ich verbinde sie nicht damit sondern sehe sie als neutral an.
Außer jetzt Pan, den würde ich dann auch tatsächlich nicht wählen. Da ist die Verbindung zum Ziegenmann doch zu präsent.

5b) als Besonderheit: Jesus und Immanuel (laut Verheißung bei Jesaja der Name des Messias)
Zunächst einmal: Immanuel hat natürlich die von dir angesprochene messianische Komponente, aber es ist nicht etwa der verheißene Name, sondern im Namen steckt die Zusage, die mit der Prophetie verheißen wird. Die ist natürlich wesenhaft für den Messias, aber nicht sein Name.
Zu den Namen selbst: Jesus würde ich nicht vergeben, weil das der Name des Messias ist, Immanuel schon, weil ich diese Zusage meinem Kind gerne mitgeben würde.

6) Namen, die nach Fantasy klingen:
Deine Beispiele klingen alle nicht schön in meinen Ohren; davon ausgehend also: nein, würde ich nicht vergeben. Dann gibts aber auch so Namen wie Merida, der ist jetzt zwar auch kein Favorit, aber vom Klang her angenehm und daher kein Tabu.

7) Namen, die Spitznamen sind:
Unter Umständen ja, auch wenn ich tendenziell die Langform vorziehe. Und dann bleibt ja noch die Frage, was ein Spitzname ist: Namen wie Lilly, Lotta & Ben, werden von manchen als Spitzname wahrgenommen, für mich hingegen klingen sie sehr eigenständig. Leni hat da schon viel mehr Spitznamencharakter und würde ich deshalb auch weniger in Betracht ziehen.

Mitglied Zauberstern ist offline - zuletzt online am 06.09.20 um 22:13 Uhr
Zauberstern

@Kimster:

Ich stelle auch fest, dass ich es enorm schwierig finde, Grenzen zu ziehen (z.B. finde ich die unter den Fantasynamen aufgeführten Namen auch zu extrem und würde sie nicht vergeben - meinen eigenen Namen aber, der eben auch schon oft in diese Ecke gesteckt wurde, empfinde ich als weniger krass in diese Richtung gehend.)

Zur Vergabe von Kevin: Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass der Film gar nicht ausschlaggebend war - also entweder wurden schon vor Ausstrahlungsbeginn viele Kevin genannt oder mit Verspätung, das weiß ich gerade nicht mehr. Kevin Costner war es, glaube ich, dessen Bekanntheitszunahme besser zur Namensvergabeentwicklung passte. Aber dafür lege ich nicht meine Hand ins Feuer und ich weiß auch nicht mehr, wo ich das gelesen habe. In jedem Falle halte ich es durchaus für plausibel, dass einige Kevins nach dem Film benannt wurden. Und es mag auch sein, dass das eher bildungsfernere Schichten häufiger tun - aber irgendwann wird der Name einfach auch schlicht durch die neuen Babys bekannter geworden sein, so dass sicher viele Menschen den Namen einfach in der Realität gehört haben, ihn schön fanden und dann vergeben haben. Da er damals noch unbelastet war, dürften ihn auch Personen quer durch alle Schichten vergeben haben. Ich könnte mir vorstellen, dass der Name seit Bekanntgabe der gewissen Studie eher in unteren Schichten vergeben wird, die sich mit derartigen Themen gar nicht beschäftigen - während gebildetere Leute informiert sind und den Namen nicht wählen, um dem Kind keine Steine in den Weg zu legen. Weiterhin könnte ich mir vorstellen, dass sich das Ganze inzwischen so verselbstständigt hat, dass Kevins (exemplarisch für andere zum Kevinismus gehörende Namen genannt) von vornherein in der Schule negativ beurteilt werden und dann auch schlechtere Leistungen erzielen. Dann denken die Leute: "Ach, natürlich, die Studie hatte Recht!" und das negative Image wird gefestigt. Statistiken, die das Image von Namen erfassen (Onogramme), halte ich längst nicht mehr für repräsentativ, weil die Leute längst "gelernt" haben, dass Kevin ein negativer Name "ist", und diese Sichtweise übernommen haben. Ich habe übrigens gerade mal spaßeshalber bei der im anderen Beitrag erwähnten SmartGenius-Vornamensstatistik geschaut und da werden die Elternhäuser von geborenen Kevins der letzten Jahre dem Durchschnitt an Bürgerlichkeit zugeordnet!

Ich bin der Meinung, ein jeder von uns sollte ein bisschen dafür sorgen, dass die negative Vorurteilsspirale von Namen wie Kevin und Co nicht immer tiefer geht - und nicht noch durch die Einsortierung von weiteren Namen, die nicht mal ins typische Kevinismusbild passen, für eine Verstärkung sorgen! Irgendwann weiß dann ja keiner mehr, wie er sein Kind überhaupt noch nennen soll!

Ich finde halt, das Wichtigste ist, das der Vorname zum Nachnamen passt. Ozeana Müller wirkt wirklich lächerlich - Ozeana Sonnenfeld aber könnte ich mir vorstellen. Dean Schmidt - grauenhaft! Dean Jackson - warum nicht? Merkwürdige Kombinationen haben für mich eher etwas mit schlechtem Geschmack und einem mangelhaften Sprachgefühl zu tun - Letzteres kann natürlich in bildungsfernen Schichten auftreten.

Zu den Komplimenten zum Namen: Ich finde es schön, aber in meinem Fall wird mir dann ja praktisch zu meiner eigenen Namenswahl gratuliert, ohne dass die Leute das wissen. ;-) Hätten mich meine Eltern so genannt, hätte ich mich in diesen Augenblicken wahrscheinlich darüber gefreut, Glück gehabt zu haben, einen schönen Namen bekommen zu haben. Oder über den guten Geschmack meiner Eltern.

Ich habe einmal darüber nachgedacht, warum ich einen ungewöhnlichen Namen vergeben würde. Ja, ich würde auch wollen, dass mein Kind etwas Besonderes ist und in Erinnerung bleibt. Dabei ginge es mir aber gar nicht so sehr um die Meinung anderer Leute - sondern ich würde wollen, dass sich mein Kind SELBST als etwas Besonderes FÜHLT und daraus Selbstbewusstsein ziehen kann. Ich würde wollen, dass mein Kind einmal weiß, dass ich mir bei der Namenssuche sehr viele Gedanken gemacht habe und es von erster Sekunde an geliebt wurde. Ja, die vergebenen Namen repräsentieren sicher die Eltern. Ein häufiger Durchschnittsname würde auch einfach nicht zu MIR passen! Dafür bin ich viel zu kreativ und speziell. Ist das jetzt überheblich? Finde ich nicht. Es ist einfach Fakt.
Ich glaube, ein wenig ist es bei mir auch der Wunsch, dass mein Kind nicht so untergehen würde wie ich früher ... (Zwar aufgrund von Schüchternheit und anderem, aber ich habe mich so oft ungesehen gefühlt.)
Und dann ist natürlich ein wichtiger Fakt schlicht und ergreifend der persönliche Namensgeschmack - ich mag z.B. längere Namen mit vielen weicher klingenden Lauten (bei Mädchennamen). In der Kombination kann es dann nach Fantasy klingen. Aber, wie schon beschrieben, ich würde das Risiko möglicher Schwierigkeiten durch die Vergabe eines gewöhnlichen Zweitnamens senken.

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

Zu der Kategorie Spitznamen...da muss man schon genau schauen, manche Spitznamen gehen gut, manche aber auch nicht.

Lily, Leni, Jule, Andi usw. find ich ganz daneben. Ist unseriös und zu niedlich, kommt halt wirklich wie ein Spitzname rüber.

Lotte/Lotta, Tom, Ben, Fina usw. das geht find ich schon gut. Die Namen kennt man als volle Namen, sie können nur auch als Spitznamen von längeren Namen verwendet werden.

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

@Zauberstern:

Du triffst es mit der Kategorie Fantasy eigentlich schon recht genau. Ich finde aber die Grenze zwischen Kevinismus und Fantasy-Namen sehr fließend und ich finde beide gehen trotzdem in die gleiche Richtung.

Man muss sich ja mal vor Augen halten, wie der Kevinismus und v.a. die Beliebtheit des Namens Kevin in Deutschland entstanden ist. Das ging ja von dem Film "Kevin allein zu Haus" aus. Es gab die Theorie, bzw. ist es ja mittlerweile erwiesen, dass Leute mit niedrigerem Bildungsstand viel eher dazu tendieren, Namen aus Filmen oder dem Fernsehen zu wählen. Da sehr viele Filme und Serien aus den USA kommen, sind es auch oft englische Namen, die unter Kevinismus fallen.

Und das führt zumindest bei mir dazu, dass ich viele Namen, die manche vielleicht nur als außergewöhnlich empfinden, eher dem Kevinismus zuordne, z.B. Maliyah. Da gibts noch eine ganze Reihe anderer Beispiele...z.b. Ozeana, Nevio, Tialda, Joya usw.

Es ist vielleicht nicht 1:1 das Gleiche. Mit Kevins, Justins, Marvins, Marlons, Chantals usw. hab ich wirklich so gut wie ausschließlich nur negative Erfahrungen gemacht (in Deutschland, gilt ja z.B. nicht für die Schweiz oder USA). Da sind auch die Eltern so gut wie immer dem Klischee entsprechend, zumindest 1 Elternteil eigentlich immer.

Bei Kindern mit sehr ungewöhnlichen Namen, die oft auch wie Eigenkreationen wirken, sind die Eltern dagegen oft überheblich, stellen ihr Kind vor alle anderen und wollen, dass es überall heraussticht. Das ist ja auch der Grund, warum man solche Namen vergibt...zumindest in den meisten Fällen. Man möchte einen möglichst auffälligen Namen für sein Kind, weil es ja was besonderes ist und es muss sich abheben von den Anderen. Und dieses Denken find ich einfach nicht sehr weitsichtig und ist für mich nur sehr wenig nachvollziehbar.

Daher stelle ich Kevinismus und Fantasynamen sehr oft auf eine Stufe, weil die Eltern mir irgendwie in beiden Fällen sehr oft nicht sympatisch sind.

Dann kommt noch hinzu, dass Kinder durchaus unter einem seltenen Vornamen leiden können. Das kann man nie vorher wissen, daher gelten Aussagen wie "mein Kind hat keine Probleme damit" einfach nicht, weil es auch viele Kinder gibt, die damit sehr wohl ein Problem haben. Die Gefahr ist einfach viel höher bei solchen Namen. Ich kenne z.B. durch mein Hobby einen Teenager, der einen echt heftigen Vornamen hat. Der geht auch in die Richtung Fantasy bzw. er ist einfach ziemlich unseriös. Der Junge leidet schon ziemlich unter dem Namen und obwohl er echt schlau ist und ich ihn total gerne mag, muss er überall erstmal gegen die Vorurteile kämpfen bzw. erntet schräge Blicke. Der Junge sagt selbst, dass er nicht weiß, was sich seine Eltern dabei gedacht haben. Also soviel dazu...es kommt immer auf den Charakter an, mich z.B. würd ein auffälliger Name sehr nerven und mich würds auch stören, wenn Leute unaufgefordert meinen Namen bewerten, auch wenns Komplimente sind. Das mag nicht jeder! Ich würds auch unangebracht finden, wenn mir mehrere Leute sagen, dass ich schöne Augen oder Haare habe. Ich würd nicht auf die Idee kommen, jemals stolz auf ein Kompliment über meinen Namen zu sein. Das ist ja keine Errungenschaft.

Daher bin ich schon ein großer Gegner von solchen Fantasy-Namen. Ich sag nicht, dass jeder seinem Kind ein Top 10 Chart-Name verpassen sollte. Aber einfach einen Namen, der "normal" ist und der keine Fragezeichen hervorruft, erfunden wirkt oder mit dem man sofort auffällt.

Konrad_Jirpeel hat den Eingangstext dieser Plauderecke ergänzt. Zum Text

Mitglied Zauberstern ist offline - zuletzt online am 06.09.20 um 22:13 Uhr
Zauberstern

Hallo ihr,

das ist mal eine interessante Diskussion! :-)

Bei mir sehen die Antworten so aus:

1) Namen die sich einer bestimmten, negativen Person zuordnen lassen: Judas, Kain, Lucifer, Adolf:

Bei wirklich bekannten Verbrechern würde ich den Namen auf keinen Fall vergeben (z.B. genau Adolf). Bei Andreas hätte ich hingegen nie als Erstes an Andreas Baader gedacht und würde hier kein Problem sehen. Die übrigen Namen gehören für mich eher in die Kategorie "zu religiös". Lucifer wäre für mich aber auch ein No-Go, da würde ich dann eher einen Namen wie Luciano vergeben. Bei diesen Namen würde ich mich erstens selbst nicht mit wohlfühlen (hätte immer eine diffuse Sorge, der Name könnte Programm sein ;-)), zweitens hätte ich Sorge, dass die Außenwelt dem Kind negative Stempel aufdrückt. Ich würde zu meinem Wunschnamen recherchieren und bei ggf. negativen bekannten Leuten abwägen, ob sie wirklich bekannt genug sind und ich den Namen trotzdem mit einem guten Gefühl vergeben würde.

2a) Namen, denen „Kevin-Potential“ nachgesagt wird, insbesondere die Topriege: Justin (Englisch gesprochen), Chantal, Marvin, Mandy:

Ich bin eine Gegnerin des Kevinismus und finde, es fördert nur Schubladendenken und Vorurteile. Die genannten Namen würde ich niemals ohne ihren Zusammenhang verrufen. Englische Namen beispielsweise würde ich vielleicht vergeben, wenn ich einen englischen Nachnamen oder Hintergrund hätte. Zu deutschen Nachnamen passen englische Namen meistens nicht und DESWEGEN würde ich sie nicht vergeben. Wenn ich einen solchen Namen schön fände, würde ich wahrscheinlich versuchen, einen Mittelweg zu gehen. Z.B. würde ich statt Mandy Amanda vergeben, wobei das Kind später selbst entscheiden könnte, ob Amanda deutsch oder englisch ausgesprochen werden soll (ich selbst würde es mit deutschem Nachnamen Deutsch sprechen!) und ob sie als Spitznamen Mandy tragen möchte. Bei französischen Namen sehe ich es analog, wobei ich manche wegen ihrer Häufigkeit schon fast als eingedeutscht empfinde (z.B. Nadine oder Nicole). Es muss einfach zum Nachnamen und zum Hintergrund passen und nur darauf würde ich achten.

2b) darunter auch Namen, die „zu fremd“ sind: Maliyah, Tialda, Miquéias, Jacinto

Hier finde ich es erschreckend, dass die Kategorie des Kevinismus von einigen immer weiter gefasst wird und die Menge der vermeintlich nicht vergebbaren Namen immer größer wird. Warum nur??? Diese Kategorie umfasst für mich schlicht und ergreifend seltene, besondere Namen. Nie würde ich bei einem Namen wie Tialda an Kevinismus denken! Ja, diese Kategorie wäre tatsächlich meine, da ich auf jeden Fall als Erstnamen einen außergewöhnlichen Namen vergeben würde! Ich habe meinen eigenen Namen geändert und der neue Name gehört genau in diese Kategorie. Er wurde in diesem Forum auch schon als kevinistisch bezeichnet - im wahren Leben höre ich aber ständig unaufgeforderte Komplimente wie "Das ist aber ein schöner Name, den habe ich noch nie gehört!" (Und als Erwachsene sind solche Aussagen ja keineswegs pure Höflichkeit wie vielleicht beim frischgeborenen Baby, dessen Name von den Eltern verraten wird - dass man da dann nichts Negatives sagen will, ist es klar. Aber bei Erwachsenen würde man ja ansonsten, wenn sie sich vorstellen und man fände den Namen furchtbar, einfach gar nichts sagen!) Jedenfalls würde ich bei dieser Kategorie Kommentare in der Richtung, der Name sei kevinistisch, komplett ignorieren und den Namen trotzdem vergeben. Bei einem Kind würde ich dann allerdings noch darauf achten, dass es vielleicht einen gängigeren Zweitnamen bekommt oder der Erstname gängige Spitznamen hat, damit es sich damit vorstellen kann, wenn es in einer Ich-möchte-bloß-nicht-auffallen-Phase ist.

3) Namen, die „viel zu fromm“ sind: Theophil, Fürchtegott, Jesaja:

Diese würde ich auf keinen Fall vergeben. Ich bin auch gar nicht religiös und kann zu dem Thema alles unterschreiben, was Kimster geschrieben hat. Auch Maria, Eva und Adam wären mir schon zu viel. Ich würde die Bedeutung des Namens recherchieren und wenn es ein Satzname mit der Bedeutung "Gott ..." ("... schaut an" o.Ä.) wäre, dann fiele der Name weg.

4a) Theophore Namen einer Religion, der man nicht angehört: Daniel für Atheisten, Matthias für einen Hindu (immerhin steckt der spezifisch jüdisch-christliche Gottesname darin), Dennis für einen Christ:

Das würde ich nur nicht machen, wenn der entsprechende Name extrem religiös wäre und die Masse dann als Erstes an die andere Religion denken würde.

4b) Namen, die einer Religion zugeordnet werden, der man nicht angehört, auch wenn "Gott" nicht darin vorkommt: Muhammed für einen Christen/Atheisten, Noah für einen Hindu/Atheisten, Andreas für einen Moslem:

Das wäre dieselbe Antwort.

5a) Namen von Göttern: Helena, Diana, Pan, Freyja:

Götternamen würde ich ohne Zaudern vergeben. Erstens kennen sich viele damit gar nicht aus und würden keinen Zusammenhang herstellen. Zweitens ordnet man sich damit nicht als (eventuellen) Anhänger einer bestimmten Religion zu.

5b) als Besonderheit: Jesus und Immanuel (laut Verheißung bei Jesaja der Name des Messias‘):

Jesus auf keinen Fall, da zu religiös. Bei Immanuel denke ich eher an Kant - wenn mir der Name gefiele, warum nicht?

Ideen für weitere Kategorien:

6) Namen, die nach Fantasy klingen
7) Namen, die Spitznamen sind

6) betrifft auch meinen eigenen neuen Namen und ich würde es bei einem Kind genauso handhaben wie bei Kategorie 2b). Für mich sind solche Namen als Erstes SCHÖN (natürlich nicht alle!). Ja, bei einem Kind würde ich schon darüber nachdenken, ob solch ein Name unseriös wirken könnte, und daher dann einen normalen ZN wählen. (Es ist schon etwas anderes, sich selbst einen neuen Namen zu geben. Da weiß man natürlich eher, was zu einem passt und mit welchen Reaktionen man leben könnte!)

7) Ich würde immer die Langformen vergeben. Erstens kann das Kind dann selbst wählen, ob es den Spitznamen möchte oder nicht. Zweitens finde ich Spitznamennamen (wie Leni, Emmi) eher noch unseriöser als vollständige Fantasynamen. Drittens kann man zu solch kurzen Namen kaum noch Spitznamen vergeben - und Spitznamen zu bekommen ist ein Zeichen, Freunde zu haben, gemocht zu werden. (Ich hatte nie einen früher und habe es immer vermisst.) Und viertens versagt man sich einfach die wunderschöne sprachmelodische Vielfalt von längeren Namen! ;-)

Was meint ihr?

Liebe Grüße
Zauberstern

Gast

Hmm ich glaube ich lasse mich da von solchen Meinungen überhaupt nicht beeinflussen sondern nur von meinem eigenen Geschmack und meinen Erfahrungen...
1, Adolf würde ich persönlich nicht vergeben weil er mir nicht gefällt, würde ich ihn lieben, wäre Hitler für mich aber kein Hindernis, so auch bei allen anderen Namen, obwohl ich sagen muss dass ich mich bei diesem Punkt wohl noch am ehesten beeinflussen lassen würde von "aussenstehenden Personen"
2a, wäre für mich definitiv kein Grund den Namen nicht zu wählen. Hier in der Schweiz ist der Kevinismus aber auch bei weitem nicht so ausgeprägt. Es gibt einige Kevins, klar die Kinder kennen die "Witze" auch hier, aber wirklich gehänselt wird hier keiner wegen des Namnes. Namen wie Chantal, Jaqueline werden dadurch dass die Schweiz mehrsprachig ist hier grundsätzlich als Namen vergeben.
2b, würde ich vergeben wenn es mir gefällt und mit dem Nachnamen für meinen Geschmack mehr oder minder harmoniert
3, fromme Namen gefallen mir sehr gerne, habe ich auch vergeben :)
4a/b, ich bin Christin und daher auch biblische Namen, sehe aber auch kein Problem darin sein Kind Dennis zu nennen oder Helena wenn einem der Name gefällt als Christ(so auch bei jeglichen anderen Religionen)
5a, sehe ich auch nicht als Hindernis einen Namen zu wählen der einem gefällt
5b, persönlich würde ich Jesus nicht vergeben, auch nicht mein Geschmack, Immanuel jedoch schon, kenne auch zwei Kinder die so heissen :)

So im grossen und ganzen würde ich sagen ich lasse mich vorallem durch meinen Geschmack leiten, kenne auch kein einziges Kind welches gehänselt wird, wegen dem Namen und grundsätzlich ändert sich der Geschmack und die Namenswahl ja von Generation zu Generation, mich daran orientieren würde ich aber nie!
lg Eliane und Martin mit Michaela Dina(13), Josua Ben(11), Gabriel Simeon(8), Debora Rahel(5), Nathan Elischa(3) und Bauchzwerg Levi/Ruben/Tobias oder Salome/Naomi

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

Ok...also wenn z.B. Oskar schon theophor ist, dann hät ich damit kein Problem, weil ich habe noch nie irgendwas von Oskar in der Kirche gehört...stören tun mich da eher so Namen, bei denen die breite Masse weiss, dass sie biblisch sind, jetzt wo du es gesagt hast, fällt mir das auch bei Kaspar auf. Ich kenn natürlich die 3 Könige...aber irgendwie hab ich das ausgeblendet. Ich hab immer ans Kasperle gedacht und hatte eher Sorgen in dieser Richtung.

Ich fände es jetzt auch nicht schlimm, wenn man einen "leicht" religiösen Namen wählt von einer Religion, der man nicht angehört. Bzw. als Atheist einen theophoren Namen wählt. Ich glaub kein Atheist würde sein Kind Jesaja oder so nennen. Daniel dagegen verbindet man einfach nicht direkt mit der Bibel, das tun glaub ich nur die Menschen, die sehr religiös sind.

Mit Namen von Göttern hab ich jetzt weniger ein Problem...solange es halt nicht in die exotische, übertriebene Richtung geht. Helena oder Diana würde ich ohne Probleme vergeben, aber bei Aphrodite, Venus oder Zeus oder so hörts dann echt auf. Aber auch hier ist mein Problem, dass ich viele Namen gar nicht damit in Verbindung bringe. Helena zählt für mich nicht zu einem Namen einer Gottheit, weil der Name einfach zu etabliert ist dafür.

Bei Jesus...naja das ist ja wohl eindeutig...wobei das ja in Spanien ein häufiger Name ist. Ich hab Spanisch in der Schule gehabt und fands auch nach Jahren immer noch sehr gewöhnungsbedürftigt, dass da Leute tatsächlich Jesus heißen. Das find ich ein absolutes No-Go. Immanuel kenne ich nicht aus der Bibel...das ist für mich eher Kategorie 4a.

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

In Bezug auf die Feiertage: Ganz radikal hättest du ja sagen können: Weihnachten und Ostern feier ich gar nicht, ist ein Tag wie jeder andere – wobei ich von keinem Atheisten, der in einem christlich geprägten Land aufgewachsen ist, wüsste, der das so macht. Es war auch nur Interesse, ich möchte da nicht drüber urteilen. Das muss ja jeder für sich wissen.

Was deine Namen angeht: Ich würde keinen der Namen spontan in eine der genannten Kategorien einsortieren.
Religiös sind schon einige Namen.

Theophor wären tatsächlich die Namen Oskar (altnordisch; as geir: Speer Gottes) und Inga (Beschützt von Ingwio – germanische Gottheit), und wenn man etwas weiter denkt Tim (Kurzform von Timotheus: „der Gott fürchtet/ehrt“). Für Eliana gibt es – soweit ich herausfinden konnte – drei Übersetzungsmöglichkeiten, zwei davon theophor:
1) hebräisch: Eli ana: „Mein Gott hat geantwortet“
2) hebräisch: von Elijahu (Elia) „Mein Gott ist JHWH“
3) griechisch: helios: „Die Sonne“

Kaspar ist in (lateinisch-) christlicher Tradition der Name eines der Weisen aus dem Morgenland, aber nicht biblisch; es gibt einen Heiligen namens Mauritius (Urform von Moritz) und einen frühchristlichen Theologen namens Arius, dessen Lehre – der Arianismus – als häretisch eingestuft wurde (Arian kann aber auch andere Ursprünge haben). Zu Mara gibt es viele Deutungen, eine davon wäre hebräisch-biblisch („die Bittere“ – Noomi nennt sich so in Rut 1,20). Paulina stammt von Paulus, was ein Apostel war.

Ich würde keinen der Namen als „zu fromm“ empfinden.
Theophor wären Oskar und Inga, ggf. Eliana und Tim (immerhin fällt der „theos“-Teil weg, sodass man übersetzen könnte: „der, der ehrt/fürchtet“).
Kaspar wäre von den Verbliebenen wohl am eindeutigsten dem Christentum zuzuordnen, allerdings ist das eine Tradition aus dem 6. Jahrhundert, die eigentlich nur in der „Westkirche“ (also Mittel- und Westeuropa sowie Nord- und Südamerika) existiert. Paulina ist halt eine Weiterleitung – wird also nicht explizit mit dem Christentum assoziiert (Paul ja auch nicht). Bei Mara und Eliana kommt es auf die Interpretation an. Mauritius und Arius sind extrem unbekannt (auch in frommen Kreisen). Letztendlich ist es eine persönliche Entscheidung, was man wie interpretiert und wie viel Gewicht man einem Umstand gibt.

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

@Konrad: Naja, was heißt radikal mit christlichen Feiertagen? Ich muss dazu sagen, dass ich in meiner Familie als einziger aus der Kirche ausgetreten bin, sobald ich aus der Schule raus war. Alle anderen sind katholisch und ich wurde auch katholisch getauft und hab sogar ein Patenkind...die Rolle nehme ich sehr ernst, aber eben auf eine ganz andere Art und Weise. Wenn ich mal ein Kind habe, würde ich ganz sicher auch ein oder zwei Paten bestimmen, weil ich das ein sehr gutes Konzept finde. Aber ich würd das dann offiziell machen und z.B. sagen, sollte mir was passieren und das Kind hat keine Eltern mehr, dann möchte ich, dass die Paten das Kind versorgen. War sogar auf einer Klosterschule (mit 10 Jahren macht man noch das, was die Eltern für gut halten).

Von daher kenne ich natürlich Weihnachten, Ostern usw. schon und "feiere" es auch, aber aus ganz anderen Überzeugungen. Das hat für mich überhaupt keine religöse Bedeutung, weil auch der Rest meiner Familie nicht sehr religiös ist. Für mich ist Weihnachten einfach ein Familienfest, ich finds einfach eine schöne Zeit, mit all den Lichtern und Traditionen. Ostern ist ähnlich...ich hab das noch nie mit christlichem Hintergrund gesehen, sondern eben einfach, dass der "Osterhase" an dem Tag Eier und kleine Geschenke versteckt. Karfreitag...als ich jünger war hab ich da kein Fleisch gegessen, weils meine Eltern mir so gesagt haben, aber das mach ich jetzt schon längst nicht mehr. Ansonsten sind mir alle anderen christlichen Feiertage komplett egal, sind für mich nichts anderes als andere Feiertag.

Um nochmal auf die Namen zurückzukommen. Ich hab oft das Problem, dass ich gar nicht 100% weiß, ob ein Name biblisch ist oder nicht! Weil ich mich eben noch nie für Religion interessiert habe und auch generell nie auf die Bedeutung oder Abstammung von Namen achte. Ich geh da immer nur nach dem Klang. Daniel z.B. würde ich nicht unbedingt mit Kirche verbinden...es gibt ja so viele Namen, die so ähnlich sind. Aber sollte ich einen Namen in der Auswahl haben, den ich schön finde und würde rausfinden, dass er einen tiefergehenden religiösen Bezug hat, dann würd ich den Namen wahrscheinlich rausnehmen.

Du kannst ja mal meine Liste an meinen Lieblingsnamen durchschauen. Mich würd das schon interessieren, ob ich da einen Namen drin habe, der da in eine deiner Kategorien fällt.

Konrad_Jirpeel hat den Eingangstext dieser Plauderecke ergänzt. Zum Text

Mitglied Konrad_Jirpeel ist offline - zuletzt online am 27.09.20 um 17:13 Uhr
Konrad_Jirpeel

Danke für die Rückmeldungen - ich hatte etwas Sorge, dass der Text so lang ist, dass keiner ihn lesen will ...

Ich habe hier bewusst die Extrembeispiele gewählt, was Verbrecher (aber auch Kevinismus) angeht. Namen anderer Mörder wären: Josef (Stalin), Andreas (Baader), Dieter (Degowski), Irene (Becker), Beate (Zschäpe) – diese Namen sind aber alle natürlich nicht so brisant wie Hitler. Natürlich gibt es zu so ziemlich jedem Namen einen Verbrecher – mir geht es aber wirklich um die, bei denen es einem präsent ist.

Ich schreib jetzt auch mal meine Meinung dazu:
Prinzipiell würde ich mich wohl schon recht abhängig machen – zumindest was die grundsätzlichen Assoziationen zu einem Namen angeht. Für meine eigenen Kinder würde ich hier keinen Namen suchen, höchstens Anfragen stellen wie „YanaXX“ (ob Wilhelmine vergebbar sei). Was meinen Geschmack betrifft gäbe es da die Anfrage, ob man Justin (Deutsch ausgesprochen) durchsetzen kann – habe meine Antwort allerdings schon gefunden: Ich werde es nicht darauf ankommen lassen …

Zur ersten Kategorie:
Von den Extrembeispielen würde ich mich fernhalten und eine weniger brisante Alternative wählen: Judas -> Juda; Kain -> Kenan; Lucifer -> Lucian; …
Ist der Name Adolf eine Familientradition, würde ich ihn als ZN vermutlich sogar weitergeben, aber eher als Adolph. Zur Not lässt sich immer verweisen auf Adoph Kolping oder Knigge, oder Adolf Dassler, Schlatter, etc. Adolf als Extrembeispiel würde ich jedoch, selbst wenn es mein Topfavorit wäre, nur vergeben, wenn es Familientradition ist.

Zur zweiten Kategorie:
Die typischen „Kevinnamen“ gefallen mir alle nicht – wäre dem so, würde ich sie nicht vergeben, eben weil es die Standardbeispiele für Kevinismus sind – das ist auch für das intelligenteste Kind nervig.
An Namen, die „zu fremd“ sind, gefallen mir einige. Die würde ich aber allesamt nicht vergeben. Zum einen, weil ich Sorge hätte, dass das Kind alleine vom Namen abgestempelt wird, zum anderen finde ich es schlicht albern, einen in Deutschland nicht etablierten Namen zu vergeben – es wirkt oft wie gewollt und nicht gekonnt. Hinzu kommt, dass ich nicht möchte, dass meine Kinder sich ständig erklären müssen: Woher kommst du? Wie wirst du geschrieben? Wie spricht man das aus? Daher würde ich selbst bei „deutschen“ Namen einen wählen, der maximal eine Schwierigkeit hat. Rebekka („mit doppel-K“) und Sara („ohne H“) lassen sich schnell erklären. Philipp („ein L, doppel-P“) wäre bei mir raus, noch mehr Janick (bei dem ich tatsächlich keine Art im Kopf habe, wie ich es prinzipiell schreiben würde). Ich kenne auch einen Ramon, der auf die Frage nach spanischen Wurzeln antwortete: „Nein, meine Eltern dachten, sie wären cool.“ Daher gehe ich da auf Abstand.
Würde ich im Ausland leben, würde ich schon einen deutschen Namen vergeben, aber einen, den man dort halbwegs aussprechen kann.
Natürlich gibt es Namen, die manche in die „Assi-Ecke“ stellen, andere nicht. Als Bekannte ihren Sohn Arthur nannten, dachte ich auch nur: „Ach du kacke.“ Ich kannte bis dahin nur einen Arthur – der genau aus dieser Ecke kam. Mittlerweile ist es für mich ein völlig normaler Name. Deshalb beziehe ich mich hier bewusst auf die Extreme wie Justin und Chantal.

Zur dritten Kategorie: Es gibt viele fromme Namen, die mir gut gefallen. Trotzdem würde ich als Rufname immer einen vergeben, der nicht zu schnell abstempelt. Ich bin da wohl von meinen Eltern geprägt, die für uns Namen wollten, die zwar christlich sind, bei denen uns das aber nicht jeder sofort anhört und mit denen wir auch leben können, wenn wir uns irgendwann einmal gegen den Glauben entscheiden würden (nein, ich heiße nicht Konrad Jirpeel). In der Kombination aus EN und ZN merkt man es doch schon, aber der Rufname ist normal. Mein Bruder beispielsweise heißt Jonathan David. Wer sich ein wenig mit der Bibel auskennt, wird sofort einen Christen sehen, aber mit seinem Rufnamen (David) kann er durchs Leben gehen, ohne dass alle direkt die religiösen Überzeugungen seiner Eltern kennen.
Mittlerweile bin ich tatsächlich auch eher bereit etwas frommere Namen zu vergeben – Simeon statt Simon –, würde mich aber bei den Extremen doch zurückhalten. Fürchtegott (ich finde den Namen von Klang und Bedeutung tatsächlich schön) würde ich nicht einmal als ZN vergeben. Dann lieber Timotheus, was die gleiche Bedeutung hat. Namen aus der Kategorie "Jesaja" würde ich im Einzelfall und nach Rücksprache mit meinem Partner als ZN vergeben oder nicht vergeben.

@Kimster:
Ich finde es ziemlich konsequent, dass du in Bezug auf christliche Namen da so radikal bist. Ich selber würde mich schon als fromm bezeichnen. Ich finde es auch seltsam, wenn Atheisten ihren Kindern theophore Namen geben (also Elias, Daniel, Matthias), bei biblischen Namen, die kein theophores Element haben sehe ich persönliche nicht wirklich ein Problem: Bei einem Elias, Sohn von atheistischen Eltern, würde ich schon seltsam gucken, ein Noah wäre okay.
Kurze Interessensfrage, ohne deine Antwort werten zu wollen: Bist du bei christlichen Feiertagen auch so radikal?
Genauso wie du würde ich als Christ mein Kind auch nicht Dennis oder Torben nennen – die Namen beziehen sich immerhin auf Götter, an die ich nicht glaube. Wie ist mit Markus aussieht, habe ich noch nicht mit mir ausgemacht, weil es einerseits ein römisch-theophorer Name ist, andererseits aber auch ein biblischer – wobei ich den Namen auch nicht sonderlich schön finde.

Generell kann ich wohl sagen, dass ich zwar keinen 08/15-Name aus den Top 20 der Charts vergeben würde, aber trotzdem keinen, mit dem man Aufsehen erregt.

Was ich ganz schrecklich finde, sind diese Trotzreaktionen. Ich weiß nicht, wie ernst gemeint die entsprechenden Kommentare sind, aber ich rate jedem davon ab.
Biblisch und frühchristlich ist Lucifer ein Titel für Jesus Christus. Trotzdem würde ich mein Kind so nicht nennen, schlicht, weil die Mehrheit der Bevölkerung es anders sehen wird. Der Name eines Kindes sei wohl überlegt, immerhin muss das Kind den Rest seines Lebens damit herumlaufen, nicht ich.

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

Klar stimmt das mit den Schubladen, ist mir schon bewusst, dass so gut wie alle Namen kategorisiert werden. Aber ich finde es gibt "schlimmere" und "weniger schlimmere" Schubladen. Ich z.B. finde Lennart oder Lorenz sehr gut. Da kommt aber von vielen sofort, dass das ein "Sterbername" ist, das kommt aber eher von Erwachsenen, weniger von Kindern. Das weiß ich auch...aber das find ich nicht so schlimm, weil Streber sein ja an sich nichts schlechtes ist. Soll ja auch nicht heißen, dass mein Kind deswegen automatisch ein Sterber wird oder ich das gut finden würde.

Wenn ich aber jetzt hingegen einen Namen wähle, der sich in eine Schublade "bildungsfern" stecken lässt...z.B. Kevin, Chantal, Jaqueline usw. dann find ich das schlimmer als die Sterberschublade.

Ich schau generell kein Free-TV, also RTL oder sowas. Aber wenn ich mal durch Zufall eine dieser Reality-Soaps anhabe, dann werden solche Namen ja sogar ganz gezielt an die Problemkinder vergeben...das find ich schon sehr bezeichnent und das bin ja dann nicht ich, der sich das nur ausdenkt, sondern eine ganze Masse von Leuten. Und das ist ja jetzt bestimmt kein Vorbild, dem werdende Eltern nacheifern wollen...von daher find ich es schon wichtig und darum spielt es für mich schon eine Rolle.

Mitglied thea ist offline - zuletzt online am 10.09.20 um 23:25 Uhr
thea

@Kimster: ja, ist mir auch aufgefallen :)

Und ebenfalls Zustimmung zu der Aussage, dass Namen sehr wohl in Kategorien gesteckt würden, nichts anderes habe ich ja geschrieben. Nur, und das ist der große Unterschied zwischen uns, spielt es für mich keine große Rolle. Denn meiner Erfahrung nach gilt das für so ziemlich alle Namen und andersherum kann ein und derselbe Name von den einen als asozial, von anderen wiederum als großes Kino gewertet werden. Auf wen soll man da bitte hören? Da entscheide ich lieber gemäß meiner Vorlieben als andere werten zu lassen. Und was Menschen sich eventuell denken oder nicht denken ist mir tatsächlich ziemlich wumpe.

Gast

Hallo zusammen,

das klingt ja nach einer spannenden Diskussion hier :-)

Ich bin ansich der Meinung, dass man den Namen vergeben sollte, den man a) sehr schön findet und einen Menschen in seinem Leben haben möchte, der diesen trägt b) auch mit dem Partner besprochen hat.

Jedoch sollte man natürlich auch immer im Hinterkopf haben:
a) passt der Name denn zum Familiennamen? Stichwort Axel Schweiß ;-)
b) ist der Name so toll/schön, dass er mir auch in einigen Jahren noch gefallen wird oder nur eine modische Erscheinung
c) ist der Name zeitgemäß oder weckt er doch verstörende Assoziationen? Ich verstehe natürlich, dass jeder Name für jeden eine individuelle Bedeutung haben kann jedoch finde ich Namen wie Jesus, Adolf und Co. einfach oft einen Ticken too much, man kann leicht ins Kreuzfeuer geraten oder das Kind ist dann der Mittelpunkt seltsamer Diskussionen am Schulhof ...

Zu den Behaftungen der Namen muss ich sagen, dass man da wohl einfach drüber stehen muss. Es gibt ja sowieso immer irgendwen, dem irgendein Name gar nicht gefällt.
Mein Name ist Monique, Spitzname meistens Moni. Einerseits höre ich: Ach, wie nett, toller Name, so französisch, so klassisch, mal eine Alternative zur faden Monika ...
Dann höre ich wieder: Irgendwie asozial, seid ihr denn aus Frankreich? Wie spricht man das korrekt aus? Monike?

Ich selbst habe vier Kinder sowie drei Kinder aus der vorherigen Ehe meines Mannes. Wir sind eine lustige, kreative und unvoreingenommene Patchworkfamilie. Ich selbst bin mit fünf Geschwistern großgeworden, zehn Jahre meiner Kindheit habe ich beim Zirkus verbracht, da mein Vater und meine Mutter beide Artisten waren. Wir waren in Holland, Frankreich, Deutschland und der Schweiz zuhause. Ich bin wirklich in allem entspannt und dennoch hab ich mich oft darüber aufgeregt, wenn jemand die Namen meiner Kinder "bewertet" hat. Bist du schwanger und kündigst an einen Jasper, eine Melanie oder eine Lydia zur Welt zu bringen kommt sowie bei jedem Namen: Ach, da kenne ich jemanden der so heißt und den kann ich nicht ausstehen, dieser Name schon wieder? Ist ja jetzt so ein Modename, ne? usw. usw.
Ich finde einfach, Eltern sollten sich selbst aussuchen können wie ihre Kinder heißen sollen ohne sich zahllose Meinungen dazu anhören zu MÜSSEN ;-)

Und nein, ich hab weder Jasper noch Melanie oder Lydia daheim sitzen sondern Abelina (20), Yara (14), Elian (13), Jeremias (8), Konstanzia (6), Theo (4) und Sophia (7 Monate).

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

@thea: Echt witzig...wir haben genau das Gegenteil gesagt. :) Ich finde durchaus, dass man zu fromm, zu fremd und zu assozial empfunden werden kann. Das sind ja Überzeugungen, die man mit dem Namen vermittelt.

Wenn man hingegen den Namen eines Verbrechers wählt...das ist keine Überzeugung. Ich glaube kaum einer benennt sein Kind gezielt danach. Das ist nur der Name von einem Menschen, der was Gravierendes falsch gemacht hat. Adolf ist da schon ein extremes Beispiel, aber mir fällt jetzt auch kein anderer (deutscher) Name ein, der mich vor so ein Problem stellen würde. Es gibt sehr viele Massenmörder, die Wahrscheinlichkeit, das man den gleichen Namen wie ein Mörder trägt (vergibt), ist sogar sehr hoch. Ich find das schon was ganz anderes.

Mitglied Kimster ist offline - zuletzt online am 17.12.19 um 20:40 Uhr
Kimster

Hmm, also mir fällt das schwer diese Frage zu beantworten, weil ich fast nur Namen schön finde, die in keine einzige dieser Kategorien passen. Vielleicht würde bei meinen Namen am ehesten die Kritik kommen, dass es zu altmodisch/unscheinbar ist. Aber ich achte da von Haus aus schon drauf, dass es zu möglichst wenig Reiberein bzw. Aufsehen wegen des Namens kommt. Von Punkte 2a, 2b und 3 würd ich zu 100% nichts nehmen. Auch wenn ich den Namen schön finden würde, das käme für mich nicht in Frage. Und es gibt durchaus Namen, die ich schön finde in diesen Kategorien:

Bei Kategorie 2a z.B.: Cedrik - find ich persönlich schön und hab den auch noch nie persönlich wirklich negativ erlebt. Ich kenn keinen einzigen Cedrik, ich kenn den Namen nur von "Der kleine Lord". Ich find den Namen aber jetzt nicht so super schön, dass ich ihn vergeben würde. Ich würds aber im anderen Fall wahrscheinlich trotzdem lassen, weil den viele Leute eben in Kevinismus einordnen und es ja auch noch so viele andere Namen gibt.

Kategorie 2b: Emmett, Harrison, Harriet, Madeline find ich echt schön. Die sind mir aber in Deutschland zu auffällig, daher würd ich die niemals vergeben. Würd ich in den USA leben, dann käme das vielleicht als Zweitname in Frage, wenn es dazu passt.

Kategorie 3: Da bin ich total strikt. Ich bin überzeugter Atheist und ich würde niemals einen deutlich religiös behafteten Namen vergeben. Egal welche Religion es ist. Für mich ist so ein Name ein Statement und das geht einfach gar nicht, weil man sein Kind nicht dafür benutzen sollte, seine Überzeugungen rüberzubringen. Bin da auch soweit, dass nicht nur solche extremen Beispiele nicht gehen, sondern ich z.B. auch ein Problem mit Maria, Adam, Eva usw. habe. Daher ist es ausgeschlossen, dass es bei mir dazu kommen würde.

Am ehesten könnte es bei mir vielleicht noch einen Konflikt bei Kategorie 1 geben. Allerdings find ich die Beispiele, die du da gewählt hast total unpassend, weil Judas und Kain sind für mich als Atheist einfach nur religiöse Namen. Als "böse" kann die nur jemand bezeichnen, der religös ist. Ich glaub an das alles nicht, daher sind die Namen für mich nicht böse! Ich würd sie wegen dem religösen Bezug sofort ausschließen, nicht weil da laut Bibel mal einer so gehießen haben soll.

Luzifer find ich gar nicht so schlecht. Als Erstname find ich den nicht ok, weil ich ja weiß, dass das großes Aufsehen erregen würde. Manche mögen da sagen, dass das im Grunde auch ein Statement...nur eben von der anderen Seite her, wobei ich da etwas anderer Meinung bin. Aber das würde jetzt in eine Grundsatzdiskussion ausarten. Als Zweitname aber würde ich den vielleicht vergeben, Kritik von wegen "aber das ist ja der Teufel" würd ich da nicht gelten lassen, alle andere Kritik würd ich mir genauso zu Herzen nehmen wie bei jedem anderen Namen.

Adolf...das ist ein Sonderfall find ich. Also grundsätzlich finde ich ja, dass es Schwachsinn ist, über so lange Zeit einen Namen einfach nicht mehr zu verwenden, nur weil es mal einen Adolf Hitler gab. Wäre es jetzt ein Name, der hübscher wäre und mir besser gefallen würde, vielleicht auch besser in die heutige Zeit passt, dann würde der glaub ich auch häufiger vergeben werden. Dann hät ich auch kein großes Problem damit, weil ich hab damit nichts zu tun, das hat keiner mehr von uns, weil das alles weit vor unserer Zeit war. Wenn man den Namen dann vergibt, heißt es ja noch lange nicht, dass man Hitlers Taten auch gut fand...als Erstname würd ich es in so einem Fall nie machen, aber als Zweitname....wenn es ein schöner wäre, dann wahrscheinlich schon.

Mitglied thea ist offline - zuletzt online am 10.09.20 um 23:25 Uhr
thea

Das kommt drauf an. Am ehesten so: Namen aus der ersten Kategorie würde ich nicht vergeben, da die negativen Konnotationen (Brudermörder, Massenmörder etc.) mich schon sehr stören.

Namen aus den Kategorien 2a, 2b und 3 aber sehr wohl. Es gibt wohl keinen Namen, der nicht von irgendjemanden als zu fremd, zu fromm oder zu asozial empfunden wird. Wieso sollte man sich danach richten? Zumindest für mich sind das keine Kriterien bei der Wahl des Namens

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