Ist das Internat das Richtige für meine Tochter?

Gast

Hallo, ihr Lieben!

Mein Name ist Elise und ich bin Mutter einer Tochter, Pauline, und zudem Stiefmutter von Francesca. Francesca ist nur drei Monate älter als Pauline, sie sind beide 17.

Pauline und Francesca sind beide sehr begabt, sie kommen nach den Sommerferien in die 12. Klasse Gymnasium (Bayern). Beide sind besonders sprachlich talentiert, aber auch in Mathe und Physik läuft es gut. Nun kam meine Stieftochter vor einigen Wochen mit der Idee, das letzte Schuljahr im Internat zu absolvieren. Hierbei handelt es sich um ein Internat in der Schweiz, das besonders gegabte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler fördern möchte. Meine Tochter und meine Stieftochter wollten sich beide bewerben, mein Mann und ich waren jedoch dagegen, weil wir nicht wollten, dass unsere Töchter kaum zu Hause sind und aus ihrer Umgebung gerissen werden.
Gegen unseren Willen haben sie sich allerdings trotzdem beworben und das Internat würde die beiden tatsächlich aufnehmen. Natürlich brauchen sie noch die Einverständnis der Eltern, bzw. braucht Pauline die von mir und ihrem Vater und Francesca die von meinem Mann und ihrer Mutter.

Nun bin ich hin- und hergerissen... Einerseits bin ich natürlich stolz, dass meine Tochter begabt genug ist, um auf ein so gutes Internat zu gehen. Es wäre sicherlich eine Chance für sie, sie wäre nicht alleine, denn sie hätte ja ihre Stiefschwester, mit der sie sich toll versteht, und zudem ist es ja ihr ausdrücklicher Wunsch. Andererseits ist sie sehr sensibel, ich bin der Meinung, sie braucht mich noch, und außerdem habe ich natürlich Angst, meine einzige Tochter ein Jahr lang kaum zu sehen und nicht zu wissen, was sie macht, wo sie gerade mit wem ist etc.

Welcher Mutter würde es nicht so gehen?

Ein weiterer Punkt sind die Kosten. Mein Mann und ich würden uns schwer tun, das Schulgeld für zwei Kinder zu bezahlen, und auch die Ex meines Mannes (Francescas Mutter) hat nicht so viel Geld. Wir könnten es für ein Mädchen zahlen, aber für zwei? Mein Ex (Paulines Vater) würde auch einen Teil für Pauline bezahlen, aber ich will ihm nicht auf der Tasche liegen und so viel Geld von ihm verlangen. Die Gebühren sind abgestuft nach dem Einkommen der Eltern, aber wir müssten trotzdem noch knappe 2.000 € pro Kind bezahlen. Dafür gäbe es auch tolle Angebote, wobei einige für unsere Töchter gar nicht mehr möglich wären und auch zu Problemen führen könnten. Unsere Töchter hatten Latein von der sechsten bis zur neunten Klasse, haben es aber dann abgewählt. Französisch hatten sie in der Mittelstufe und in der elften hatten sie nur noch Englisch und Spanisch. Auf dem Internat liegt der Schwerpunkt auf Latein und Spanisch/Italienisch (nach Wahl), das heißt, Pauline und Francesca müssten Latein wieder auffrischen und dafür Englisch (Weltsprache!) ablegen. Wir waren vor drei Wochen im Internat zur Besichtigung und beim Rektor, der meinte, das wäre kein Problem, aber wer weiß, was der nicht alles erzählt, um neue Schülerinnen zu bekommen...

Francesca war immer sehr gut in Latein, aber für meine Tochter war es immer DAS Problemfach, wo sie auch ihren ersten Vierer und in der neunten sogar einen Dreier im Jahreszeugnis hatte. Das könnte ja den ganzen Abi-Schnitt verderben, obwohl Pauline sonst sehr begabt ist.

Außerdem MUSS auf dem Internat ein künstlerisches Fach als Abi-Fach gewählt werden, was unsere Töchter hier nicht hatten, und folglisch auch die Kurse nicht belegt hatten.

Die Entscheidung muss jetzt aber bald getroffen werden, in sechs Wochen fängt die Schule hier in Bayern wieder an, in der Schweiz in drei Wochen.

Mein Mann ist auch skeptisch, würde es seiner Tochter aber erlauben, allerdings nur, wenn Pauline auch geht. Ich will aber nicht, dass meine Stieftochter dann letztendlich wegen MIR nicht gehen kann, will es meiner Tochter aber auch nicht leichtfertig erlauben.

Der Direktor hat auf mich auch keinen besonders netten Eindruck gemacht, aber das muss ja nichts heißen. Außerdem mache ich mir Sorgen, dass meine Töchter dann vielleicht später Probleme haben mit deutschen Unis, da sie ja Matura und nicht Abi haben.

Ich bin wirklich gerade ziemlich durcheinander! Ich sitze hier und könnte weinen, wenn ich an das alles denke... Was würdet ihr machen?

Elise und Björn mit Francesca und Pauline

Antworten

Gast

Hallo Elise!

Ich schreibe dir mal in der Hoffnung, dass du hier noch mal vorbeischaust. :)
Ich bin 15 Jahre alt und komme nach den Sommerferien ebenfalls in die 12. Klasse. Seit ich 12 bin (also seit der 9. Klasse) besuche ich ein Hochbegabteninternat mit sprachlichem Schwerpunkt. Meine Eltern haben damals auch einiges daran gesetzt, mir die Entscheidung auszureden, was ich auch verstehen kann, schließlich war ich noch ein ganzes Stück jünger als deine Tochter und Stieftochter es jetzt sind. Aber im Nachhinein sind wir uns alle einig, dass es eine gute Entscheidung war, denn ich bin viel selbständiger und reifer dadurch geworden. Ich kann verstehen, dass du deine Tochter nur schweren Herzens gehen lassen kannst, aber - sorry - mit 17 Jahren noch so unselbständig und blauäugig zu sein finde ich ganz schön krass. Und wenn du ihr jetzt noch diesen Weg "versperrst", wird es auch nicht gerade besser (meine Meinung). Spätestens in einem Jahr, also nach dem Abi/Matura, wird sie ja wohl studieren bzw. ins Ausland gehen etc., dann müsst ihr euch wohl oder übel "trennen". Von daher sehe ich darin kein allzu großes Problem, denn ein Jahr macht jetzt nicht den großen Unterschied. Auf jeden Fall wird man viel viel selbständiger, wenn man ein Internat besucht, das kann ich dir aus meiner Erfahrung heraus sagen.

Wenn du allerdings meinst, dass deine Tochter wirklich extrem sensibel ist - finger weg vom Internat. Denn dann kann sie auch daran zerbrechen. Ich kenne das Internat nicht, wo sie hinmöchte, aber zumindest in meinem Internat herrschen unter den Schülern ziemlich raue Sitten, besonders für Neuankömmlinge, das erste Jahr ist besonders schlimm. Wenn man da nicht stark genug ist, um das auszuhalten, geht man einfach irgendwann kaputt. Auf anderen Internaten kann das ja ganz anders sein, aber auf meinem ist es zumindest so. Leider. Und davon merkt man auch von außen her nichts. Der Schulleiter wird kaum etwas preisgeben und wenn du dich mit Schülerinnen unterhältst, so werden diese auch nur in den höchsten Tönen vom Internatsleben schwärmen.
Ich will dir echt keine Angst machen, wie schon gesagt, das kann bei dem Schweizer Internat alles ganz ganz anders sein...

Wie das mit dem Matura ist, habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung. Sind Abi und Matura denn nicht gleichwertig?

Mit Latein ist es natürlich auch schwierig. Da kann ich als Außenstehende auch nicht wirklich etwas raten, nur deine Tochter selbst kann wissen, ob sie das auf die Reihe bekommt.
Merkwürdig finde ich, dass Englisch nicht weiter geführt wird. ??? Aber eigentlich sollten die Englischkenntnisse auch nach der 11. Klasse so gefestigt sein, dass sie ausreichend sind.

Ein Problem, das ich noch sehe, ist, dass eure Töchter so spät aufs Internat wollen. Bei uns darf man eigentlich nicht erst zur 12. Klasse dazukommen, spätestens zur 11. Klasse. Schließlich muss man sich ja auch erst einmal eingewöhnen, und das sollte man vielleicht nicht unbedingt in dem Jahr tun, in dem auch das Abitur gemacht wird.


Wie du siehst, ich bin mir auch nicht sicher, was ich dir raten soll. Aber vielleicht konnte ich dir und deiner Familie wenigstens ein bisschen weiterhelfen. Würde mich freuen, wenn du mir noch eurer letztendliche Entscheidung mitteilst. :)

Liebe Grüße
Elsa

Gast

Hallo Alina,

vielen Dank für deine Antwort! Ich habe schon mit den Mädchen gesprochen, allerdings habe ich den Eindruck, dass sie mich nicht richtig verstehen (wollen). Irgendwie denke ich auch, dass ihnen beiden gar nicht richtig bewusst ist, was es bedeutet, auf ein Internat zu gehen (Ständig Zusammensein mit Klassenkameraden, selten mal Ruhe und Zeit für sich alleine etc.). Außerdem werden sie auf dem Internat sehr, sehr viel lernen müssen, um den verpassten Stoff aus der elften Klasse und den Latein-Stoff nachzulernen. Irgendwie habe ich das Gefühl, Francesca und Pauline sind in der Hinsicht ziemlich blauäugig und naiv und denken, es wird wie im Hanni-und-Nanni-Buch (überspitzt ausgedrückt).

Danke, dass du dir Gedanken gemacht hast, Aline!

Über noch mehr Antworten würde ich mich freuen, evtl. auch von Leuten, deren Kinder bzw. sie selbst schon mal ein Internat besucht haben!

Elise und Family

Gast

Hallo Elisa!
So du scheinst ja wirklich verzweifelt zu sein. Also ich sehe es so. Wenn deine Tochter es unbedingt will, dann lass sie auf dieses Internat. Sie wird es sonst ihr ganzes Leben lang bereuen, dass sie sort nicht hingegangen ist. An deiner Stelle, würde ich ihr (und auch Francesca) von deinen Sorgen erzählen. Setzt euch mal alle zusammen an einen Tisch und redet darüber. Das du deine Tochter weniger siehst ist klar, aber es gibt heute so viele möglichkeiten e-mails, skypen usw.
Deine Tochter muss sich ja auch irgendwann von dir lösen, ich weiß das klingt jetzt hart, aber es ist so. Sie ist 17 und irgendwann wird sie ihre eigenen Wege gehen. Wie das mit dem studium ist weiß ich nicht. Vielleicht kannst du da den Dirktor fragen oder einen Lehrer.

Ich denke ihr trefft die richtige Entscheidung

LG aus dem Schwabenland
Aline :)

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